Prof. Dr. Heinrich Wohlmeyer

Landwirtschaft

Der getriebene Sektor zwischen Ökologie und Ökonomie

 

Was die Standortdiskutanten offenbar nicht sehen, ist die Tatsache, daß die individuellen betrieblichen (mikroökonomischen) Uberlebensstrategien sich zur volkswirtschaftlichen (makroökonomischen) Bombe bündeln. So verzeichnen einige Staaten Europas bereits eine Jugendarbeitslosigkeit von weit über 30 Prozent. Und die weiter anhaltende Massenarbeitslosigkeit belastet Staats- und Sozialkassen so sehr, dass nennenswerte Investitionen in Bildung und Forschung ohne zusätzliche Neuverschuldung nicht finanzierbar sind. Solche Gesellschaften können nicht mehr als stabil bezeichnet werden. Vielmehr besteht die Gefahr, daß sie bei der zunehmenden Budgetknappheit, die die sozialen Netze zum Reißen bringt, in bürgerkriegsähnliche Verhältnisse geraten. Dabei wäre bei einer Ökologisierung der Wirtschaft unter fairen Weltmarktbedingungen genug Arbeit vorhanden. Die Umstellung auf erneuerbare Energiequellen und Rohstoffe würde einen langfristigen Wirtschaftsaufschwung auslösen, der mit der Hochkonjunktur des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg vergleichbar ist.

Stattdessen ist die Landwirtschaft nach wie vor in der Zwickmühle zwischen weltwirtschaftlichen Zwängen und ökologischen Erfordernissen. Dies wird in den kommenden Jahren bittere Folgen haben: Die zu erwartenden Verwerfungen sind enorm. Die Landwirtschaft ist "Überlebenswirtschaft". Wenn wir sie nicht sanieren, werden sich bald nur noch Reiche satt essen können. Es droht nicht nur ein gefährlich zunehmender Krieg ums Öl, sondern auch um Brot und Wasser. Mehr

Um dieser Entwicklung entgegen wirken zu können, sind neue wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen unerläßlich, die sich grundlegend von den bisherigen unterscheiden müssen: Die jetzigen Spielregeln erweisen sich bei näherer Betrachtung nur noch als "kollektives Selbstmordprogramm". Mehr

 

 

Impressum: Prof. Dr. Heinrich Wohlmeyer, Universität für Bodenkultur in Wien, Mail

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