Wenn automatische Fertigungstrassen, softwaregesteuerte Büros, hochleistungsfähige Baumaschinen und eine Vielzahl weiterer arbeitssparender Methoden und Maschinen bisher erforderliche menschliche Arbeiten schneller, besser und kostengünstiger erledigen, darf man nicht erwarten, dass in diesen Sektoren zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Das ist unlogisch – und wiederspricht allen regeln der Mathematik: Wo etwas abgezogen (substrahiert) wird, entsteht eine kleinere Ergebnismenge, keine größere.
Wenn sich Binnenmärkte hochentfaltet haben – und damit ein breitflächiges Angebot bieten, darf man nicht erwarten, dass eine massive Marktausweitung entstehen kann, die das Brutto-Inlandsprodukt erheblich vergrößert. Hier ist Verdrängungsmarkt die Regel: Firmen kämpfen darum, einen möglichst hohen Anteil der Gesamtversorgung für sich beanspruchen zu können. Es geht dabei nicht mehr um Gewinnung von Neuland, sondern um die Vergrößerung der eigenen Marktanteile zu Lasten der Mitbewerber bei relativ gleichbleibender oder schrumpfender Massenkaufkraft. Und wie die Entwicklung der letzten drei Jahrzehnte in Deutschland zeigt, ist das Exportwachstum nicht in der Lage den Binnenmarkt-Absatz zu steigern (=Voraussetzung für zusätzlichen Arbeitskraftbedarf).
Wenn Innovationen in der Mehrzahl nur dazu führen, dass neue Angebote in Produkt- und Dienstleistungsbereichen die alten ersetzen, wird dadurch auf Dauer nicht eine Vermehrung des wirtschaftlichen Gesamtwachstum erzeugt, sondern letztlich nur eine Verdrängung alter Angebote durch neuer erreicht.
Wer anderes glaubt, der spekuliert auf ein nebulöses Wachstum – und investiert Zeit, Kraft und Geld in Projekte mit geringen oder gar keinen Wachstumsmöglichkeiten. Die irdische Welt ist begrenzt – nicht unendlich. Wir werden uns deswegen höchstwahrscheinlich mit einer Kreislaufwirtschaft begnügen müssen, in der eher qualitatives als quantitatives Wachstum möglich ist. Ein Zurück zur alten Volksweisheit „Alle 25 Jahre bereinigt ein Krieg die Situation“ scheint angesichts der heutigen Vernichtungspotentiale“ und Umweltsituation wenig ratsam. Die dabei entstehenden neuen Chancen müssen von extrem schlechten Voraussetzungen ausgehen.
Es gibt allerdings für die nächsten Jahrezehnte noch genügend Möglichkeiten, sich um ungedeckten Bedarf zu kümmern. Denn die Mehrzahl der Erdbewohner ist weit entfernt vom Wohlstand der klassischen Industrienationen. Aber dann müssen die Industrienationen auch bereit sein, diese ärmeren Regionen der Welt partnerschaftlich zu entwickeln. Sonst erleben wir Stagnation und Regression.
Um unsere realen Chancen nutzen zu können, müssen wir uns um eine Neue Ökonomie bemühen. Keine New Economy, die von irgendwelchen neuen Technologien und Börsengeschäften Wunder erwartet (Bubble-Economy). Sondern eine Neue Ökonomie, die sich auf die realen Grenzen und Möglichkeiten der alten Ökonomie einstellt und auf dieser Weise Wirtschaftskonzepte der Nachhaltigkeit entwickelt.
Je mehr unsere Weitsichtigkeit, Moral und Dialogfähigkeit sich verbessert, desto schneller werden wir eine solche Neue Ökonomie erreichen können. Aber das Verständnis für eine solche neue Ökonomie ist weltweit noch nicht vorhanden. Unsere Zielsetzungen, unsere Mentalität und Gefühlslage kleben immer noch an alten Begriffsdefinitionen und Orientierungsmodellen.
Es ist ein epochaler Neubeginn erforderlich, der alle ehemaligen Orientierungsmodelle entsprechend der neuen Lage umwandelt. Es gibt viele Anzeichen dafür, dass die Gegensatz-Orientierungen von Kapitalismus und Sozialismus, Markt- und Planwirtschaft keine ausreichende Zukunftsorientierung gestatten. Partnerschaft und Solidarität für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft, die einerseits Dynamik und Innovation ermöglicht, andererseits die Stabilität aller Volkswirtschaften sichert, scheint immer wichtiger zu werden.
Die Konzepte für eine neue, nachhaltige Ökonomie fallen nicht vom Himmel und sind nicht mit genialen Einfällen allein gegeben. Wir brauchen wissenschaftliche Institute, die sich ausschließlich auf Fragestellungen einer neuen, nachhaltigen Ökonomie konzentrieren und ihre Erkenntnisse und Gutachten in die Öffentlichkeit tragen. Sie erfüllen eine ebenso wichtige Aufgabe wie renommierte Umweltinstitute. Solange es solche Institute nicht gibt, bleiben Politik und Gesellschaft hinsichtlich der immer dringender erforderlichen Alternativen zur bisherigen Wirtschaftsweise orientierungslos.