Jürgen
Schampel / 2002
Notwendige Faktoren
für Wachstum von Gewinn und Einkommen
Unternehmerischer
Gewinn kann entweder durch Absatzsteigerung oder durch Kostensenkung
erwirkt werden (oder beides zusammen).
Aber
nur die Absatzsteigerung sorgt auch für volkswirtschaftliches
Wachstum. Denn unternehmerische Kostenersparnis bedeutet, daß
das betreffende Unternehmen weniger beschäftigt, kauft oder
mietet - es senkt damit Gewinn und Einkommen anderer Volkswirtschaftsbeiligter;
die Volkswirtschaft profitiert dann allenfalls noch durch höhere
Unternehmenssteuern.
Der
Export war und ist ein bedeutender betriebswirtschatlicher Absatzbereich.
Er hat aber eine geringere Bedeutung für die Volkswirtschaft
als früher. Denn Produktion, Vertrieb und Besteuerung geschehen
zunehmend im Exportziel-Land (oder nahe dran). Das ist aus weltwirschaftlichen
Gründen (ausgewogene internationale Arbeitsteilung) und ökologischen
Gründen auch wünschenswert. Aber der Export großer
Unternehmen verliert dabei seine volkswirtschatliche Funktion der
Kaufkraftstärkung (der Export geht über in die Globiliserung
von Produktion und Vertrieb) - und zwar nennenswert.
Maßgeblich
für die Intaktheit und Stabilität auch der entwickelten
Volkswirtschaften ist damit wieder das Geschehen im Binnenmarkt.
Binnenmarktwirtschaftliches
Wachstum setzt Angebotsmangel voraus. In hochentwickelten Industriestaaten,
auf deren Marktplätzen sich regionale und internationale Anbieter
in hartem Verdrängungswettbebewerb befinden, herrscht heute
jedoch eher ein Überangebot.
Bedarfssättigung
ist ein relativer Begriff, der auch von Werten und dem Ausmass von
Wünschen abhängig ist. Manch einer bekommt eben nie genug.
Der Absatz
des Überangebots findet jedoch nicht nur an der Bedarfssättigung,
sondern auch an der jeweiligen Kaufkraft seine Grenzen. Nur wenn
die binnenwirtschaftliche Massenkaufkraft real steigt, ist
daher noch mit volkswirtschaftlichem Wachstum zu rechnen.
Das
antizyklische Programm von Keynes konnte deshalb nur so lange wirkungsvoll
sein, wie es möglich war die binnenwirtschaftliche Kaufkraft
zu steigern:
Keynes
bot ein optimales antizyklisches Konjukturprogramm für Länder,
deren Bevölkerung und Beschäftigungszahlen wuchsen und
die vom internationalen Verdrängungswettbewerb nur mäßig
betroffen waren. Aber für Länder, die exportabhängig
sind, eine abnehmende Erwerbsarbeitsquote, eine stagnierende oder
rückläufige Bevölkerungszahl haben, hat es keinen
realen Untergrund mehr. Der Grund dafür ist, dass bei den Regularien
für den Welthandel (WTO / GATT) die Keynesianische Einsicht
ignoriert wurde: Man solle "die wirtschaftlichen Verflechtungen
zwischen den Nationen nicht maximieren, sondern möglichst gering
halten [...]. Ideen, Wissen, Kunst, Gastfreundschaft, Reisen
solche Dinge sind ihrem Wesen nach international. Doch Waren sollten,
wann immer es vernünftig und praktisch ist, hausgemacht sein;
und vor allem sollten die Finanzen überwiegend national bleiben".´
Nach
meiner Interpretation meint Keynes mit "maximieren" die
ursprüngliche Bedeutung des Wortes: Das Maximum anstreben.
Er spricht sich also nicht generell gegen eine Steigerung des Außenhandels
aus, sondern nur gegen eine Übertreibung. Weltweites Exportfieber
und globale Finanzspekulationen, die keine Rücksicht mehr auf
den Zustand und die realen Entwicklungsbedingungen der Binnenmärkte
nehmen, sind eine solche Übertreibung.
Ein
weiterer wichtiger Faktor zum Verständnis der Binnenmarktsituation
ist die Ausbeutung von ausländischen Naturgütern und Arbeitskräften.
Sie ermöglichte es bis Ende des zweiten Weltkrieges einzelnen
Volkswirtschaften Vorteile im internationalen Wettbewerb zu verschaffen.
Seit der Unabhängigkeit aller Staaten ist diese Quelle versiegt.
Die Rolle der Ausbeuter haben seither souveräne Staaten ohne
Demokratie und Gewerkschaften übernommen.
Nur
die Eliten dieser Ländern, der internationale Handel und die
Finanzspekulation profitieren von der dort betriebenen rücksichtlosen
Ausbeutung von Mensch und Natur. Allerdings auch nur, weil die Wirtschaftspolitik
der demokratischen Staaten es zuläßt, dass sie ihre Produkte
und Dienste zu sozial- und ökogedumpten Preisen anbieten dürfen.
Die herrschende europäische Wirtschaftspolitik verlangt keine
ökosozialen Ausgleichsaufschläge, sondern fördert
die rücksichtlose Ausbeutung sogar durch laufende Absenkung
noch bestehender Importzölle. Nach marktradikaler Interpretation
der WTO-Regeln soll es zukünftig gar keine Importzölle
mehr geben.
Solange
die Wirtschaftspolitik nicht grundlegend geändert wird, kann
es kein volkswirtschaftliches Wachstum mehr bei uns geben. Nicht
einmal eine stagnierende Kreislaufwirtschaft. Stattdessen werden
wir uns auf der Abstiegspirale weiter nach unten bewegen.
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