Prof. Dr. Susanne Elsen

 

Gemeinwesenarbeit und Lokale Ökonomie

 

 

Gemeinwesenarbeit und die Erhaltung der Lebensgrundlagen

 

Die Macht der reinen Marktinteressen enteignet die Menschen weltweit ihrer materiellen und nichtmateriellen Lebensgrundlagen und gefährdet die Voraussetzungen des Lebens zukünftiger Generationen. Die Förderung und Erhaltung dieser Voraussetzungen ist eine vorrangige Aufgabe professioneller Gemeinwesenarbeit.[1] Die zentralen Ziele der Gemeinwesenarbeit - Einmischung in Ursachenzusammenhänge, Empowerment und Förderung der Selbstorganisationskräfte der Menschen in den Gemeinwesen – erhalten vor diesem Hintergrund eine neue, erweiterte Bedeutung. Sie sind nicht auf den sozialen, kulturellen und politischen Bereich zu begrenzen, sondern beziehen sich auf die Frage des Wirtschaftens als Voraussetzung und Kern sozialen Zusammenlebens.

Der Anspruch professioneller Gemeinwesenarbeit, primär ökonomische Probleme als solche zu begreifen und zu bearbeiten, ist nicht neu. Gemeinwesenarbeit beschränkte sich weder in ihrer Geschichte noch in der Gegenwart auf den außerökonomischen Bereich reaktiver und zumeist individualisierender Bearbeitung sozialer und ökonomischer Probleme, sondern sie suchte stets auch alternative sozialökonomische Lösungen mit primär ökonomisch benachteiligten und ausgegrenzten Gruppen.[2]

Heute mehr als in der Vergangenheit erfordert eine Grenzüberschreitung hin zu sozialökonomischen Lösungen für die Gemeinwesenarbeit eine stärkere Positionierung der politischen, ökonomischen und sozialen Belange der lokalen Bevölkerung gegenüber den Zumutungen der reinen Marktinteressen. Diese Positionierung basiert auf der Verteidigung der Teilhaberechte von Menschen und der Lebensgrundlagen der Gemeinwesen einerseits, und der Herausbildung nachhaltiger ökonomischer, ökologischer und sozialer Alternativen, andererseits. Sie ist nur dann möglich, wenn Gemeinwesenarbeit sich innerhalb des intermediären Feldes stärker zivilgesellschaftlich verankert und aus einer möglichst starken und relativ unabhängigen Position selbst die Kooperation mit lokalen Akteuren gestaltend, erhaltend und entwickelnd in das lokale Marktgeschehen eingreift und der Vermarktung der gemeinen ökonomischen Grundlagen nachhaltige Alternativen entgegen setzt. Zentrales Anliegen ist die Herausbildung gemeinwesenorientierten Wirtschaftens, welches dem „gemeinen Eigenen“[3] dient.

Die aktuelle internationale Entwicklung des Community Development in Südeuropa, Asien, Kanada oder Südamerika[4] integriert lokale Kooperativunternehmen zur Exisstenssicherung und Bedarfsdeckung der lokalen Bevölkerung. Dies ist in Deutschland nicht so, auch wenn Programme zur integrierten Problemlösung mit dem Zielsystem „Lokale Ökonomie“ es zu suggerieren scheinen. Dennoch: Den Sonderweg außerhalb des wirtschaftlichen Bereiches hat auch die professionelle Gemeinwesenarbeit in Deutschland, wie Dieter Oelschlägel anmerkt, mit der Praxis der Gemeinwesenökonomie bereits seit längerer Zeit überschritten und soziales Wirtschaften in ihr Handeln integriert.[5]

 

Gemeinwesenarbeit und Lokale Ökonomie in Deutschland – eine schwierige Beziehung

 

Aus der deutschen Perspektive gilt es folgende Aspekte zu berücksichtigen um das schwierige Verhältnis zwischen Gemeinwesenarbeit und Lokaler Ökonomie zu verstehen:

1. Gemeinwesenarbeit in Deutschland hat als Feld Sozialer Arbeit einen etatistisch  geprägten Sonderweg eingeschlagen, der zudem in der korporatistischen Einbindung in traditionelle Wohlfahrtsverbände ernst zu nehmende Selbstorganisation Betroffener eher verhinderte. Das Modell der sozialen Marktwirtschaft verwies die Soziale Arbeit als Anwendungsbereich staatlicher Sozialpolitik in die marktexternen Lebenswelten. Die Zuständigkeit des Marktes für die Existenzsicherung und Bedarfsdeckung der Bevölkerung und die des ihn flankierenden Sozialstaates wird seit 20 Jahren schrittweise und derzeit in Form sozialen Kahlschlages aufgekündigt. Die zerstörenden Kräfte der reinen Marktmacht prägen die Lebenslagen der Menschen und der Gemeinwesen. Die soziale Absicherung der Lebensrisiken wird zunehmend der Selbstsorge von Einzelnen und Familien empfohlen und die Teilhabe am Arbeitsmarkt ist für einen wachsenden Teil der Bevölkerung – auch der westlichen Industriestaaten – nicht mehr gewährleistet bzw. nicht existenzsichernd. Die politische, soziale und kulturelle Integration auf der Ebene der Gemeinwesen wird durch die Zerstörung und Veräußerung der lokalen Möglichkeitsstrukturen in Frage gestellt. 

2. Ein weiterer Aspekt darf zum Verständnis der besonderen Situation der professionellen Gemeinwesenarbeit in Deutschland in ihrem Verhältnis zur ökonomischen Selbstorganisation nicht unerwähnt bleiben. Kooperative ökonomische Selbsthilfe in Produktivgenossenschaften wurde als Alternative zum kapitalistischen Markt in Deutschland historisch verhindert. Dies hat im internationalen Vergleich zu einer Sonderentwicklung des Genossenschaftswesens geführt, welche den Sektor einer Sozialen- oder  Solidarökonomie als eigenständigen, nicht primär profit-orientierten Sektor nicht hat entstehen lassen. Die romanische Tradition einer aktiven Förderung von lokalen (Selbsthilfe-) Genossenschaften als zivilgesellschaftlich verortete Instrumente staatlicher Sozialpolitik ist in Deutschland nur schwer vermittelbar.[6]

3. Die traditionellen Wohlfahrtsverbände sind bemüht, das Monopol über den lukrativen, überwiegend staatsfinanzierten „Markt der Verwertung der nicht Verwertbaren“ zu behalten, der sich unter dem Subsidiaritätsprinzip in Deutschland herausgebildet hat. Die Selbstorganisation im Sozialbereich und damit die Emanzipation der AdressatInnen, steht diesem Interesse entgegen. Bis heute gibt es keine Voraussetzungen für kooperative Selbsthilfe im Sozialbereich, z.B. in Form von Sozialgenossenschaften als bürgerschaftlich getragene eigenständige Alternativen zu den Angeboten der Wohlfahrtsverbände, wie dies im europäischen Sektor der Économie Sociale Praxis ist.

4. Die aktuellen Programme zur integrierten Problemlösung in den Gemeinwesen[7] mit den Schwerpunkten Bürgerbeteiligung und Lokale Ökonomie sind aus verschiedenen Gründen selten in der Lage, ernst zu nehmende Selbstorganisation und ökonomische Selbsthilfe Benachteiligter zu initieren.[8] Sie sind nicht nur als Chance für die eigenständige Entwicklung benachteiligter Quartiere und ihrer BewohnerInnen zu deuten, auch wenn AkteurInnen vor Ort partiell sinnvolle Projekte entwickeln konnten. Die verordneten Aktivierungsstrategien, die sich des Methodenrepertoires der emanzipatorischen Gemeinwesenarbeit bedienen, sind Instrumente des „aktivierenden Sozialstaates“, der auf Kontrolle, Verwertung und Repression ökonomisch und sozial Ausgegrenzter setzt, sozialstaatliche Rechte abbaut und die Zuteilung von Mitteln zur Überlebenssicherung mit dem Zwang zur Gegenleistung verbindet.[9]

„Lokale Ökonomie“ fokussiert in den Programmen die soziale Einbindung der gewerblichen Wirtschaft um Sozialkapital ökonomisch nutzbar zu machen. Aus der Perspektive der Gemeinwesenarbeit ist dies m.E. bezogen auf lokal orientierte kleine und mittlere Unternehmen keineswegs verwerflich, sondern unter den sich verschärfenden globalen Bedingungen durchaus wichtig da es gilt, den lokalen und regionalen Kontext für die spezifischen Wirtschaftskulturen kooperativ zu gestalten. Ansätze hierzu habe ich an anderer Stelle dargestellt.[10]

Ausgeblendet, weil jenseits der Logik der Programme, wird dagegen die Tatsache, dass die historisch neuen Probleme Lösungen erfordern, die anderes und mehr beinhalten als die Stabilisierung der vorhandenen erwerbswirtschaftlichen Strukturen. Die globale Entwicklung erfordert die Herausbildung „lebensdienlichen Wirtschaftens“[11] in den Gemeinwesen. Nicht nur Existenzsicherung im Sinne der Sicherung der individuellen Existenzgrundlage von Menschen, die im Zuge des technologischen und ökonomischen Wandels „überflüssig“ werden, sondern Wirtschaften als soziales Handeln unter Berücksichtigung der Erhaltung der ökologischen und sozialen Existenzgrundlagen wird zum zentralen Thema der Gestaltung des Lebens und Zusammenlebens.[12] Soziales Wirtschaften ist ein Kernbereich von Gemeinwesenarbeit in einer Zeit, in der mit der dauerhaften ökonomischen Ausgrenzung wachsender Bevölkerungsgruppen auch deren Ausgrenzung aus allen anderen gesellschaftlichen Bereichen erfolgt.

Die professionellen und institutionellen Voraussetzungen ökonomischer Gemeinwesenarbeit sind in Deutschland keineswegs gegeben und „große Würfe“ werden unter den sich verschärfenden Bedingungen aus der Praxis Sozialer Arbeit die Seltenheit bleiben, doch konsequente Schritte der Integration und Rückbettung des Wirtschaftens in den sozialen Lebenszusammenhang sind möglich und notwendig.[13]

 

 

Ökonomische Selbstorganisation in der Bürgergesellschaft

 

Die Anliegen nachhaltiger Entwicklung verbindet die professionelle Gemeinwesenarbeit mit unterschiedlichen AkteurInnen, Bewegungen und Institutionen in Zivilgesellschaft, Politik und Verwaltung sowie sozial eingebundenem Markt. Die notwendige Unabhängigkeit und Tragfähigkeit erreichen neue sozialökonomische Lösungen als „multi-stakeholder-Unternehmen“, die auf lokalem Konsens unterschiedlicher Teilhaber basieren. Sie überschreiten herkömmliche Grenzen und Zuständigkeiten, wurzeln in der Einbindung in die Zivilgesellschaft und sind handlungsfähig durch eine relative Unabhängigkeit als kooperative Marktakteure. Politik und Verwaltung ebenso wie lokaler Markt sind als aktive Förderer von großer Bedeutung, ihre Rolle ist jedoch die eines von mehreren gleichberechtigten Kooperationspartnern. Konsequent wäre die Frage nach der institutionellen Anbindung und der Finanzierung der Gemeinwesenarbeit in Form von „multi-stakeholder-Konstruktionen“ zu suchen.

Auch dies ist kein reines Wunschdenken. Ein Blick in die sozialökonomische Praxis zeigt, dass professionelle und bürgerschaftliche Kräfte aus konkreten Problemlagen durch Mandatsnahme und Grenzüberschreitungen unkonventionelle Lösungswege vor Ort gesucht und gefunden haben und  durch tägliche Pionierarbeit gleichzeitig die politischen, sozialen und ökonomischen Grundlagen dieser Arbeit schaffen. Ich sehe in diesen Ansätzen Konkretisierungen und Erweiterungen dessen, was als „Bürgergesellschaft“ derzeit oft missbräuchlich mit der Bemäntelung durch den Demokratiediskurs – gemeint ist Sozialabbau – bemüht wird.

Die demokratische Teilhabe und Selbstorganisation von BürgerInnen in allen Lebensbereichen war und ist ein zentrales Anliegen der Gemeinwesenarbeit. Bürgerinnen und Bürger haben nach diesem Verständnis umfassende Rechte und Gestaltungsmöglichkeiten in Staat, Gesellschaft und Wirtschaft. In ihrer Rolle als WirtschaftsbürgerInnen sind sie zugleich Wirtschaftssubjekte und moralische Personen, die ihre staatsbürgerschaftliche Verantwortung im Wirtschaftskontext nicht abstreifen, sondern auch dort „an der „Res publica“, der öffentlichen Sache des guten und gerechten Zusammenlebens in einer wohlgeordneten Gesellschaft freier und gleicher Bürger, Anteil nehmen.“[14] Dies impliziert die Option bürgerschaftlicher Selbstorganisation von Arbeit im Gemeinwesen, wie sie in Formen freier Assoziationen in Geschichte und Gegenwart praktiziert wurde und wird. Genossenschaftliche Assoziationsmuster eröffnen Möglichkeiten bürgerschaftlicher Kooperation und Absicherung auf Gegenseitigkeit sowie der Bewirtschaftung des „gemeinen Eigenen“.[15]

Wirtschaftsbürgerschaftliche Verantwortungsübernahme kann auch heißen, als Promotorin Kompetenzen und Ressourcen zugunsten sozialökonomischer Lösungen einzubringen.[16] Vorbilder sind erneut Jane Addams und die Setlementbewegung[17] zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Bürgerinnen und Bürger stellten sich als PromotorInnen auf die Seite der Armen, Ausgebeuteten und Verelendeten, entwickelten mit ihnen Projekte, Einrichtungen und Unternehmen, wirkten auf die Verbesserung der Arbeits- und Wohnverhältnisse, nahmen nachlässige und korrupte Entscheidungsträger in die Pflicht und erreichten zahlreiche soziale Reformen. Gemeinwesenarbeit hat hier ihre Wurzeln. Heute sind qualifizierte und materiell versorgte, engagierte und kritische BürgerInnen und Bürger auf der Suche nach sinnvollen Tätigkeitsfeldern und haben das Bedürfnis, gesellschaftliche Innovationen mit zu tragen, die Ihren moralischen, politischen und fachlichen Vorstellungen entsprechen. Nicht wenige von ihnen werden frühzeitig aus anspruchsvollen Erwerbsarbeitskontexten „freigesetzt“ und ihr Humankapital findet kein gesellschaftlich produktives Feld. Ein Brückenschlag zwischen benachteiligten und eher privilegierten Gruppen ist auch deshalb sinnvoll, weil die Benachteiligten Verbündete brauchen, wenn der sozialpolitische Ausgleich im gesellschaftlichen Kontext zunehmend nicht mehr konsensfähig ist. Ein Beispiel:

Die Genossenschaft am Beutelweg mit ihren Tochterunternehmen[18] hat sich in einem Problemquartier in Trier in den vergangenen 11 Jahren zu einem Unternehmensverbund entwickelt, der heute über mehr als 450 Wohneinheiten und Gewerbebetriebe mit mehr als 70 Arbeitsplätzen - überwiegend in Handwerk und Dienstleistung -  verfügt. NutzungseigentümerInnen sind die sozial und ökonomisch benachteiligten BewohnerInnen des Stadtteils selbst. Dieser Unternehmensverbund steht auch aufgrund seines Erfolges in einem höchst komplexen und gefährlichen Konfliktfeld mit lokaler, regionaler und überregionaler Poltik, organisierter Handwerkerschaft (obwohl selbst Mitglied der Kammer), Banken, örtlicher Wohnungswirtschaft, traditionellen Wohlfahrtsverbänden, örtlicher „Hofberichterstattung“ und vielen anderen dauerhaften oder situativen Gegnern und Konkurrenten. Reussieren und vor allem Überleben in einem solchen Gegenwind, heißt dass man warm angezogen sein muss. Das aber sind die sozial benachteiligten StadtteilbewohnerInnen nicht. Es gibt viele Gründe dafür dass es diese Genossenschaft und ihre Tochterunternehmen immer noch gibt. Der bedeutendste Stabilisationsfaktor besteht jedoch in einem dichten Netz aus PromotorInnen und bürgerschaftlich engagierten Frauen und Männern aus allen gesellschaftlichen Schichten und Bereichen – aus Politik, Kirche, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft – die sich als Personen mit ihrer Arbeitskraft, ihrem Kno-How, ihrer Zeit und ihren Verbindungen, Ideen und Kompetenzen wie ein Schutzwall um das Projekt formiert haben und gemeinsam mit den BewohnerInnen und NutznießerInnen das Interesse haben, ihr Unternehmen zu verteidigen und stark zu machen.


 

Gemeinwesenökonomie – plurales Wirtschaften im Lebenszusammenhang

 

Sozialökonomisches Agieren im Kontext der Gemeinwesenarbeit bezeichne ich als Gemeinwesenökonomie.[19] Sie dient der Bedarfsdeckung, Existenzsicherung und gesellschaftlichen Integration der örtlichen Bevölkerung und ist die sozialwirtschaftliche Basis des sozialen Zusammenlebens. Sie hat rein gar nichts gemein mit Zwangsmaßnahmen[20] gegen all die, die aus dem Erwerbsarbeitsmarkt ausgeschlossen werden.[21] Es geht vielmehr um ihre ökonomischen Teilhaberechte und um die Sicherung, Nutzung und Schaffung dessen, was Menschen zum Leben in einem Gemeinwesen brauchen. Dazu gehören ein Dach über dem Kopf, genießbares Wasser, Grund und Boden, existenzsichernde Arbeit, Bildungssysteme, angemessene Infrastruktur und vieles mehr, was durch die neoliberalen Strategien der Privatisierung, Deregulierung und Flexibilisierung immer mehr Menschen enteignet wird.

Gemeinwesenökonomie hat das soziale Ganze im Blick und entzieht sich den Kriterien des  Marktfundamentalismus, der das ökonomische Geschehen ohne Berücksichtigung der gesellschaftlichen Grundlagen allen Wirtschaftens, quasi als autistisches System betrachtet. Das gemeinsame Interesse ebenso wie die individuellen Bedürfnisse und Nöte von Menschen kommen, so der „Superkapitalist“ George Soros,[22] im reinen Marktmechanismus nicht vor.[23]

Als Solidarökonomie[24] basiert Gemeinwesenökonomie auf Sozialem Kapital und erzeugt es gleichzeitig.[25] Sie orientiert sich an dem, was Soros zufolge der Marktfundamentalismus ignoriert und zerstört: Vertrauen, Gegenseitigkeitsbeziehungen und Verantwortungsbewusstsein für das Gemeinwesen.[26]

Oskar Negt bezeichnet die „Ökonomie des Gemeinwesens“ als Zweite Ökonomie, die im Kampf mit der Ersten, der Ökonomie der toten Arbeit und der Kapitallogik steht. „Die Zweite Ökonomie greift den abgerissenen Faden des klassischen ökonomischen Denkens wieder auf und rückt den Lebenszusammenhang der Menschen, ihre konkrete Lebenswelt, ins Zentrum der Betrachtungen.“[27]

Eine solche Ökonomie ist kein reines Desiderat. Sie existierte immer da, wo Menschen die Teilhabe am Arbeitsmarkt verwehrt wurde oder wo eine solche Teilhabe nicht existenzsichernd war und ist. Sie lebt in dualwirtschaftlichen, armutökonomischen oder alternativökonomischen Ansätzen und entsteht in neuen pluralen Formen da, wo Menschen für den Arbeitsmarkt überflüssig werden. Arbeit in der Gemeinwesenökonomie beruht auf einem erweiterten Blick auf gesellschaftliche Tätigkeit, die Nachbarschaftshilfe, Familienarbeit, Eigenarbeit, Tausch, Subsistenz, Kooperativarbeit, Erwerbsarbeit und Formen bürgerschaftlichen Engagements umfasst.[28] Sie bildet sich auch in Selbstorganisation derer heraus, die eigenständige, nachhaltige Alternativen zur dominanten Ökonomie suchen, wie die jüngste Gründungswelle von Produktivgenossenschaften insbesondere durch hoch qualifizierte Kräfte in Deutschland zeigt.

Bezüglich ihrer Reichweite und Verbreitung in den westlichen Industrieländern sind diese Ansätze verschwindend gering. Ihre Bedeutung jedoch wächst. Oskar Negt weist die Richtung, in der „das Neue“ zu suchen ist; „Die Alternativen zum bestehenden System (sind) nicht in dem abstrakt-radikal Anderen zu suchen und zu finden (...), sondern auf der Unterseite der bestehenden Verhältnisse, in ihren konkreten Prägungen und ihren einzelnen Krisenherden. Die Potentiale des besseren Anderen bleiben gleichsam im Schattenbereich und fügen sich nicht zu einer kollektiven Gegenmacht zusammen.“[29] In diese Richtung jedoch bewegen sich derzeit die Netzwerke lokaler und regionaler Initiativen, die im Weltsozialforum deutlich an Organisationsfähigkeit gewonnen haben.[30]

Wissen und Können um kooperative ökonomische Selbstorganisation, welche in anderen Weltregionen – in Transformations- und Industrieländern, aber auch in Entwicklungsländern -   generiert wurden sind als Lernkontexte der Gemeinwesenarbeit mit dem Ziel der Herausbildung nachhaltigen lokalen Wirtschaftens von großer Bedeutung. Ein Beispiel:

Bemerkenswert aus der Perspektive unserer eigenen derzeitigen Krisensituation, ist der Umfang, die Reichweite, Vielfalt und Qualität neuer gemeinwesenökonomischer Ansätze in Japan. Als ehemaliges Mitglied der Triade der Globalisierungsgewinner – USA, Europa, Japan – ist es früher als Europa in die Finanzkrise und insbesondere die Vertrauenskrise der Bevölkerung geraten. Innerhalb zivilgesellschaftlicher Kontexte und aus berufsständischer Organisation heraus hat sich ein reiches Spektrum aus lokalen Komplementärwährungen, Tauschsystemen und genossenschaftlichen Unternehmen gebildet.[31] Sie beruhen auf Vertrauen in Gegenseitigkeit und Gemeinschaft und auf dem Misstrauen gegenüber Markt, Staat und dem Wert des Geldes, dem durch die Bündelung von Ressourcen und Kompetenzen und durch geldlosen Tausch nachhaltige Alternativen in zivilgesellschaftlicher Verantwortung entgegen gesetzt werden. Die Süddeutsche Zeitung beschreibt dieses japanische Phänomen als „Kapitalflucht der sozialen Art“.[32] Insbesondere im Bereich von Gesundheitsversorgung und Pflege wurden in Japan genossenschaftliche Lösungen in den Gemeinwesen entwickelt, in denen Hilfen auf Gegenseitigkeit, Selbsthilfe, geldloser Tausch und professionelle Hilfe kombiniert werden.[33]

In den armen und unterentwickelt gehaltenen Regionen der Welt sind traditionelle Formen,   die der Logik einer Ökonomie des Gemeinwesens nahe kommen, nach wie vor die wichtigste Basis der Existenzsicherung. Als Reaktionen auf die Übergriffe der transnationalen Konzerne entstehen auch dort neue Alternativen.

Die indischen Aktivistinnen Roy und Shiva oder der philippinische Wortführer der Bürgerrechtsbewegung Perlas haben mit ihrer argumentativen Kraft, ihrer globalen politischen Einbindung und ihrer konkreten lokalen Praxis Vorbildfunktion. Auch bei der Suche nach den theoretischen Grundlagen zukunftsfähiger Lösungen ist das Überschreiten der eigenen nationalen und kulturellen Grenzen sinnvoll.[34] Der indische Wirtschaftsnobelpreisträger Amartya Sen oder der bengalische Wirtschaftswissenschaftler Muhammad Yunus bieten wichtige theoretische Grundlagen[35] für eine lokale Ökonomie, die die Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung zum Ziel hat.

Ich plädiere hier keineswegs für die Schaffung lokaler Armutsökonomien nach dem Vorbild unterentwickelt gehaltener Weltregionen, sondern für eine aktive ökonomische Gestaltung lokaler und regionaler Räume als erweiterte sozialpolitische Aufgabe.[36] Im sozialpolitischen Verständnis geht es um die Ermöglichung freiwilliger Assoziation von BürgerInnen nicht nur im politischen und sozialen, sondern auch im ökonomischen Sektor.

 

 

Gemeinwesenökonomie und das gemeine Eigene

 

Gemeinwesenökonomie setzt differenziertere Eigentumsbegriffe  voraus als die alternativlose Fixierung auf veräußerbares Privateigentum, das sich auch die letzten Reste des nutzbaren Gemein- und Staatseigentums einverleibt. Gemeinwesenökonomie benötigt genossenschaftliche und eigenwirtschaftliche Eigentumsformen[37] und erzeugt in solidarökonomischen Formen der Gemeinwesenökonomie selbst zukunftsfähige und emanzipatorische Formen gesellschaftlichen Eigentums.

Auch wenn sich in keiner modernen Verfassung Eigentumsrechte als nackte Privatinteressen darstellen und mehr oder weniger in bestimmten Artikeln an Gemeinwohl gebunden sind, die Widersprüche zwischen Sollensvorschriften und gängiger Praxis sind in keinem anderen gesellschaftlichen Bereich deutlicher.[38] Wichtig ist, dass die Soziale Arbeit die zentralen Kategorien exklusives und inklusives Eigentum in ihren Theorien berücksichtigt.[39] Eigentum wurde historisch „auch als Recht definiert, vom Gebrauch oder Genuss von bestimmten Dingen nicht ausgeschlossen werden zu können.“[40] Inclusives Eigentum, also öffentliches, genossenschaftliches oder Gemeineigentum schließt nicht aus, sondern ist Voraussetzung der Teilhabe aller, insbesondere der ökonomisch schwächeren Gesellschaftsmitglieder. Es gewährt Zugang zu den zentralen Lebensvoraussetzungen die weltweit gnadenlos vermarktet und in Privateigentum überführt werden (Wasserversorgung, Wohnraum, Boden, Soziales, Gesundheit Infrastruktur etc.).

Gemeinwesenökonomie braucht nicht nur zugängliche materielle Güter, sondern sie schafft nachhaltige Formen des persönlichen- und des Gemeineigentums durch den produktiven Einsatz lokaler Potentiale und Ressourcen, aber auch und insbesondere durch die Verhinderung dysfunktionaler Mittelabflüsse durch alternativlose Privatisierung der Unternehmensgewinne. Durch Reinvestition des erarbeiteten Gewinns im lokalen Verbund der Unternehmen und Organisationen versucht die Gemeinwesenökonomie die materielle Basis des Gemeinwesens zu stabilisieren und zu erweitern. In gleicher Weise können auch staatliche Mittelzuweisungen produktiv und nachhaltig verwendet und Mitnahmeeffekte verhindert werden.[41] Eine weitere Möglichkeit lokaler Wertschöpfung und Werterhaltung besteht in Formen des Tauschs. Darüber hinaus gilt es die Möglichkeiten der Entwicklung von Systemen lokaler Komplementärwährungen als auch die der Community-Credit-Unions zu berücksichtigen, die beide Wertschöpfungseffekte und die gezielte Förderung lokaler Ökonomie ermöglichen.[42]

Durch die gemeinwesenökonomische Organisation können traditionelle öffentliche und private Bereiche vor Ort sinnvoller, synergetisch und bedürfnisadäquat gestaltet werden. Diese Vorstellung knüpft an Klaus Novy`s Idee eines lokalen Basissektors an, der sich an den Bedürfnissen und Potentialen der örtlichen Bevölkerung, dem produktiven Einsatz ihrer lebendigen Arbeitskraft und der erhaltenden Nutzung der natürlichen Ressourcen orientiert. Alle Aufgaben, die primär der Existenzsicherung und Bedarfsdeckung der Menschen in den Gemeinwesen dienen, könnten in diesem Basissektor organisiert werden. Klaus Novy[43] empfahl 1984 aus krisenpolitischen und ökologischen Gründen Lebensbereiche und Teilsektoren den Kapital- und Wachstumszwängen zu entziehen und bedarfswirtschaftlich in kooperativen Formen zu organisieren.

Wenn jedoch die Lebensgrundlagen der Gemeinwesen, das „gemeine Eigene“ restlos vermarktet sind, bleiben auch keine Optionen für die Lokale Ökonomie. Gerade zur alternativlosen Privatisierung wäre die lokale Basisökonomie als Möglichkeit der Vergesellschaftung eine lebensdienliche Alternative. Spätestens seit der Ausformulierung und Unterzeichnung des Dienstleistungsabkommens GATS zur privatwirtschaftlichen Organisation aller öffentlicher Dienstleistungen – von der Wasser- und Energieversorgung, über Kindergärten, Schulen und Hochschulen bis zu allen sozialen und gesundheitlichen Diensten – ein Regelwerk, dessen Tragweite bis heute weder BürgerInnen noch ExpertInnen in den betreffenden Handlungsfeldern zur Kenntnis genommen haben – ist eben diese Suche nach Alternativen in Form „vergesellschafteter Privatisierung“ durch bürgerschaftliche Genossenschaften und Fonds von großer Bedeutung.[44] Der Gründungsboom lokaler Genossenschaften und Bürgerfonds insbesondere im Sozial- und Gesundheits- Schul- und Pflegebereich vor allem in Finnland, Italien und Japan, ist eine Antwort der lokalen Bevölkerung auf die Privatisierung, Kommerzialisierung und Enteignung von öffentlichen Einrichtungen und Leistungen.[45] 

Zwei aktuelle deutsche Beispiele für die gemeinwesenökonomische Übernahme öffentlicher Versorgungsleistungen als Alternative zur Privatisierung:[46]

Der Gemeinderat wollte die Wasserversorgung des 370-Seelen-Dorfes Ellerhoop in Schleswig Hollstein vor acht Jahren verkaufen. Nur 90 Haushalte sind an das Wasserversorgungssystem angeschlossen, die anderen haben eigene Brunnen. Nach dem Verkauf wären alle Haushalte zwangsweise angeschlossen worden und hätten dafür die Kosten in und außerhalb ihrer Häuser zahlen müssen. Nach einem Bürgerentscheid und zähen Verhandlungen mit dem Gemeinderat, erarbeiteten die BürgerInnen einen Geschäftsplan, gründeten eine Genossenschaft, kauften die Wasserpumpe und haben sich damit ihre Versorgung zu ihren Konditionen und zum Nutzen des Gemeinwesens gesichert.

Die Stadt Herten steht seit 1995, wie viele andere Städte, aufgrund ihrer Schuldenlage unter Landesaufsicht. Mit dem Verkauf der lukrativen Stadtwerke – 96% der BürgerInnen beziehen von ihnen Strom, Gas und Wasser - an die kaufinteressierte Deutsche Bank, hätte sie eine Finanzlücke kurzfristig schließen können – auf Kosten der BürgerInnen. Diese gründeten den „Herten-Fonds“, der 10 Millionen Euro in Form von Bürgereinlagen sammelte und die Stadtwerke kaufte. Das Bürgerunternehmen ist ökonomisch tragfähig und erwirtschaftet Gewinne. Die Einlagen der BürgerInnen werden mit 5% verzinst und die Gewinne werden genutzt, um städtische Einrichtungen zugunsten der BürgerInnen zu erhalten, z.B. das Erlebnisbad. 

 

 

Gemeinwesenökonomie und Community-Empowerment

 

Bürgerschaftliche Unternehmen der Gemeinwesenökonomie entstehen derzeit in den Industrieländern in Form von Fonds, geldlosem Tausch und Kooperativen, die im Gemeinwesenverbund agieren.

Genossenschaften und genossenschaftliche Fonds sind geradezu ideale  der Organisationsformen der Gemeinwesenökonomie.[47] Sie sind in der internationalen Fachdiskussion und Praxis – wie erwähnt- wichtiger Bestandteil des community-development.[48] Als Antworten auf die krisenhaften wirtschaftlichen Entwicklungen übernehmen sie öffentliche und privatwirtschaftliche Aufgaben, um die Grundlagen des Zusammenlebens im Gemeinwesen zu sichern. Diese alternativen Gründungen lassen sich nach meiner Beobachtung derzeit in folgenden Bereichen feststellen:

1. Unternehmen der alternativen Arbeitsorganisation gewerblicher Wirtschaft (Belegschaftsbetriebe), die das Ziel haben, die Erwerbsarbeit vor Ort zu sichern.

2. Sozial-, Bildungs-, Kulur und Gesundheitsgenossenschaften, die dem Abbau und den Qualitätseinbußen durch Privatisierung in diesem Bereich entgegen wirken sollen. Die Gründungen erfolgen sowohl durch Anbietende und NutzerInnen.

3. Kooperativen und Fonds, die die öffentliche Infrastruktur und Versorgung (Energie, Wasser) durch die lokale Bevölkerung gegen Kommerzialisierung sichern.

Die Eignung genossenschaftlicher Unternehmen hat leicht nachvollziehbare Gründe. Ich beschränke mich an dieser Stelle auf die in Punkt 1 erwähnte lokale Selbstorganisation von Arbeit, auf Produktivgenossenschaften also. In gleicher Weise könnten die Vorteile lokaler Konsum,- Wohnungs- und Sozialgenossenschaften aufgezeigt werden.

Produktivgenossenschaften beziehen sich meist auf einen lokalen, weltmarktunabhängigen Markt und agieren in arbeitsintensiven Bereichen. Sie sind Akteure dezentraler Arbeitsorganisation und damit Gegenpole technologischer Zentralisierung. Sie folgen anderen Rentabilitätsmaßstäben und sind zudem gegenüber anderen Unternehmensformen stabiler. Keine andere Unternehmensform verzeichnet weniger Zusammenbrüche als Genossenschaften, was darauf zurück zu führen ist, dass die Last und die Risiken auf vielen Schultern lasten und dass aufgrund des Identitätsprinzips ein mehr an (extrafunktionalem) Engagement der Beteiligten eingebracht wird. Die Wahrscheinlichkeit, in einem wirtschaftlichen Abschwung zu scheitern ist bei Kooperativen geringer, da die Kosten der Rezession auf alle Köpfe im Unternehmen verteilt werden können.[49] Ein Beispiel:

Die Krisenbewältigung der 80er Jahre durch die weltweit größte Industriekooperative, den baskischen Mondragon-Verbund mit mehr als 53000 Mitgliedern, illustriert dies: Mitglieder, die nicht ausreichend beschäftigt waren, wurden nicht entlassen, sondern auf andere Kooperativen im Verbund verteilt. Die Arbeitszeiten wurden flexibilisiert und die genossenschaftseigene Bank half mit günstigen Krediten über die Liquiditätsengpässe. Die Wachstumsrate von Mondragon war ab Mitte der siebziger Jahre viermal so hoch wie in der übrigen spanischen Wirtschaft. Mittlerweile ist MCC das achtgrößte Unternehmen Spaniens. Im genossenschaftlichen Unternehmensverbund finden die Mitglieder nicht nur eigenständige Möglichkeiten der Existenzsicherung, sondern ein breites Spektrum an Waren und Dienstleistungen zur sozialen und gesundheitlichen Absicherung und Bedarfsdeckung. Zu den Kooperativen im Verbund gehören heute die Caja Laboral mit 270 Filialen, die Pensions- und Krankenkasse Lagun-Aro, die Supermarktkette Eroski, Produktionsstätten für Halbleiter, Autoteile und Werkzeugmaschinen oder das Herzstück von Mondragon der Elektrogerätehersteller Fagor, der mit 4.300 Mitarbeitenden einen Umsatz von 700 Millionen Euro macht. Mondragon ist eines der überzeugendsten Beispiele für ökonomisches und politisches Empowerment einer ganzen Region.

Das Interesse von Genossenschaftsmitgliedern an regional gebundenen Arbeitsplätzen ist langfristiger als das externer Investoren. Genossenschaften und kooperative Verbünde können das ökonomische „Rückgrat“ einer Region im Umbruch bilden. Die Erhaltung, Bewirtschaftung und Zuteilung von Ressourcen und die Verhinderung dysfunktionaler Ressourcenabflüsse zur Stärkung der lokalen Basis sind wirksame Wege strukturellen Empowerments.[50] Gerade der Ressourcenabfluss aus benachteiligten Gemeinwesen ist einer der Hauptgründe für die Abwärtsspirale, die segregierte Armutsquartiere entstehen lässt. Eine Unterbrechung und Umkehr hin zu „empowered communities“ erfordert Ansätze der Schließung der Ressourcenkreisläufe.[51] Mit Hilfe lokaler Genossenschaften, die in synergetischen Vernetzungen agieren und die Ressourcenbasis des Gemeinwesens und seiner BewohnerInnen in Form ökonomischer  Kreisläufe (short circuits) stabilisieren, kann dies gelingen. Ein erfolgreiches Beispiel für diese Art genossenschaftlichen Agierens im Verbund ist die Wohnungsgenossenschaft am Beutelweg.[52] Durch Reinvestitionen im lokalen Verbund der Unternehmen und Organisationen kann die materielle Basis des Gemeinwesens stabilisiert und erweitert werden.

Personales Empowerment ist Voraussetzung und Folge dieses Handelns. Die Beteiligten erfahren, dass sie den wachsenden Abhängigkeiten von einem anonymen und globalisierten Markt mit Communitiy-Empowerment, der Stärkung der lokalen Fundamente des Zusammenlebens etwas entgegen halten können. Dies ist der Kern der Bemühungen südindischer KleinbäuerInnen, die sich gegen die Abhängigkeit von globalen Agrarkonzernen und die Enteignung ihrer Lebensgrundlagen wehren ebenso wie von BewohnerInnen benachteiligter Quartiere in westlichen Industrieländern, die unter den Folgen sozialökonomischer Polarisierung und Spaltung leiden. Lokale Genossenschaften und kooperative Kreditsysteme sind die wichtigsten Grundlagen dieser weitreichenden sozialen, ökonomischen und politischen Empowermentstrategien auf lokaler Ebene, die in ihren Netzwerken z.B. im Weltsozialforum oder der attac-Bewegung bis auf die globale Ebene wirken.

Genossenschaften und lokale Tauschsysteme sind „empowering organizations“ für personale und soziale Selbstveränderung. Als „empowered organizations“ sind sie Resultate dieser Prozesse und gleichzeitig Akteure strukturellen Empowerments auf der Ebene der Gemeinwesen. Dies fördert Schritte zu „empowered communities“ – zu Transformationsprozessen mit dem Ziel der Stärkung der Bürgergesellschaft, verbunden mit lokalökonomischen Alternativen freier Assoziationen von Bürgerinnen und Bürgern. Sie bewirken letztendlich eine Machtverschiebung zugunsten ziviler Selbstorganisation gegenüber den dominanten Systemen Staat und Markt.

Ich spreche von Möglichkeiten. Es wäre fatal anzunehmen, dass voraussetzungslos durch Genossenschaftsgründungen oder Tauschsysteme die sozialen und ökonomischen Probleme der Dauerarbeitslosigkeit zu lösen seien. Zu erwarten, dass Arbeit in überwiegend wenig lukrativen, arbeitsintensiven Bereichen ohne gezielte Förderung durch diejenigen Menschen zu erschließen sei, die über wenig oder kein materielles, wie verwertbares soziales, und allgemein auch über kein unmittelbar verwertbares Bildungs- und Wissenskapital verfügen, und zudem häufig geprägt sind von langjährigen Kontrollverlusten, ist mehr als naiv. Mit gezielter Förderung jedoch und unter bestimmten Rahmungen können gemeinwesenökonomische Lösungen ihre nachhaltigen Wirkungen auf personaler und struktureller Ebene entfalten. Voraussetzungen und Rahmenbedingungen habe ich an anderen Stellen ausführlich beschrieben.[53] Empowerment  passiert nicht, wenn Benachteiligten Rechte und Ressourcen entzogen werden, damit sie sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen – woran sie der Sozialstaat angeblich hindert. In der derzeitigen Diskussion um den „aktivierenden Staat“ scheint jedoch gerade das gemeint zu sein.

Selbstorganisation ist kein sozial gleich verteiltes Gut. Ein Blick in Geschichte und Gegenwart zeigt in nahezu allen Gesellschaften, dass die Besitzenden ihre Interessen am besten zu organisieren vermögen. „Die Teilhabe an solidarischen Gemeinschaften ist keineswegs prinzipiell offen für alle. Die Teilhabe an Selbstorganisation folgt den Spuren einer „stillen“ Selektivität, sie variiert entlang der Demarkationslinie sozialer Ungleichheit (Bildung, Einkommen, Macht). Und so ergeben sich auch hier alte Ungleichheitsrelationen: Im Gegensatz zu Angehörigen mittlerer und gehobener sozialkultureller Milieus verfügt vor allem die „klassische“ Klientel sozialstaatlicher Dienstleistungsagenturen, nämlich Personen mit geringem Einkommen, niedriger allgemeiner und beruflicher Bildung und einer nur wenig vernehmbaren öffentlichen Stimme, kaum über das (ökonomische, kulturelle und soziale) Kapital, das nötig ist, um sich selbstbewusst schöpferisch in Assoziationen ... einzumischen.“[54] Gerade die Ressourcenrestriktionen der ökonomisch und sozialen Benachteiligung wirken in der Weise, dass sie die kollektive Selbstorganisation als einzige Möglichkeit zur Erweiterung der Macht- und Ressourcenlage, verhindern.[55] Die Verfahren der Gemeinwesenarbeit, insbesondere des Community-Organizing und des Community-Education wirken machtausgleichend und ressourcenbildend und schaffen so die Voraussetzung für schrittweise Empowermenterfahrungen Benachteiligter.

Die Ideen und Projekte ziviler Akteurinnen und Akteure und die Wege zu ihrer Erreichung sind meist unkonventionell.[56] Sie widersprechen den Vorstellungen etablierter Systeme in Verwaltung, Markt und Politik. In einem etatistischen System, als das Deutschland bezeichnet werden kann, stößt das Engagement von BürgerInnen außerhalb fremdbestimmter ehrenamtlicher Einsätze im Sozialbereich keineswegs auf Entgegenkommen. Wie verkrustete Strukturen in Wirtschaft, Wohlfahrtsverbänden, Politik und Verwaltung Engagementbereitschaft entgegenstehen, weist Helmut Klages in seiner lesenswerten Studie nach.[57] Empowerment lässt sich mit einem Gesellschaftsspiel vergleichen. Neue SpielerInnen verschaffen sich Zugang, spielen auf ihre Weise mit und verändern die Regeln. Nicht nur die vorher vom Spiel Ausgeschlossenen, sondern alle MitspielerInnen müssen sich verändern, neue AkteurInnen mit ihren Ideen und Verfahren zulassen und sich in den Aushandlungsprozess um neue Regeln einlassen.

Empowerment als Selbsthilfe und Selbstorganisation im politischen, sozialen und ökonomischen Bereich tangiert die Systeme Staat, Markt und Zivilgesellschaft und deren jeweilige Interessen und Zuständigkeiten. Sie verändert auch den Intermediären Sektor („Dritten Sektor“) zwischen diesen Systemen und erweitert seine Möglichkeiten. Die Entwicklungspotentiale des „Ditten Sektors“ – dem in der internationalen Diskussion auch Genossenschaften zugehören, mit seinen Nahtstellen zu Staat, Markt und Zivilgesellschaft und seinem bürgerschaftlichen Potential beruhen auf der Nähe zur Lebenswelt, die die Kontrolllogik des Staates und die Kapitallogik des Marktes durch Findigkeit und soziales Kapital relativiert und lebensnahe Lösungen generiert.

Sollen Bürgerinnen und Bürger in Selbstorganisation soziale und ökonomische Verantwortung übernehmen, müssen sie dies auch wirklich dürfen.[58]

Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Verbände müssen sie an den Nahtstellen ihrer Handlungsfelder oder Kompetenzbereiche zulassen und sie nicht, wie dies im Bereich ökonomischer Selbstorganisation Praxis ist, verhindern und vernichten, oder wie im Bereich sozialer und politischer Selbsthilfe und Selbstorganisation üblich, vereinnahmen und gängeln.

Es handelt sich bei sozialem, ökonomischem und politischem Empowerment „um einen konflikthaften Prozeß der Umverteilung von politischer Macht, in dessen Verlauf Menschen oder Gruppen von Menschen aus einer Position relativer Machtunterlegenheit austreten und sich ein Mehr an demokratischem Partizipationsvermögen und politischer Entscheidungsmacht aneignen.“[59] Es geht, wie Tilo Klöck sagt, um die Beeinflussung der strukturell ungleichen Verteilung von Ressourcen, Macht und Einfußnahme zugunsten Benachteiligter.[60] Verändert sich die Position von Machtunterlegenen, so ist dies nur möglich durch die Abgabe von Macht der Überlegenen. 

Saul Alinsky, Basisdemokrat und Vordenker der Empowermentidee geht mit seinem Konzept des community-organizing, der Selbstorganisation der Interessen Benachteiligter von der Perspektive sozialen Wandels durch Konflikt und Machtumverteilung aus.[61] Nach seiner Darlegung ist Konflikt das Feuer unter dem Kessel der Demokratie. Der Prozess des Aufbaus von Organisationsfähigkeit Benachteiligter vollzieht sich durch die Bündelung ihrer Kräfte. In Strategien der Auseinandersetzung mit dominanten Gegnern um die Durchsetzung von Zielen die das eigene und gemeinsame Leben betreffen, erfahren sie ihre abgestimmte, kollektive Handlungsfähigkeit um daran Schritt für Schritt zu wachsen.

Gerade im Zusammenhang von ökonomischer Selbstorganisation benachteiligter gesellschaftlicher Gruppierungen, sind die Konflikthaftigkeit des Ansinnens und die Frage der materiellen und nichtmateriellen Voraussetzungen sehr ernst zu nehmen.

Geht es um eigenständige Existenzsicherung von Arbeitslosen und Armen, um Möglichkeiten genossenschaftlicher Wohnungsversorgung derer, die im Markt keine Chancen haben, um selbstorganisierte Alternativen zu traditionellen sozialen Diensten etc., tangieren die Konfliktlinien die Machtzentren des korporatistischen Staates sowie die dominanten Interessenorganisationen der Zivilgesellschaft und des Marktes. Die Widerstände und Verhinderungsstrategien gegen Einzelinitiativen produktiver Eigenständigkeit sind vielfältig – was alle wissen, die in diesem Feld agieren. Wirksamer noch sind sie gegen die Versuche, politische Voraussetzungen für die Zulassung und Förderung eines eigenständigen kooperativen Sektors zu schaffen.[62] Mit der schrittweisen Wirkung struktureller Empowermentprozesse werden die Konfliktlinien und -schauplätze komplexer. Gerade an den Widerständen können die Akteure wachsen und die Empowermenteffekte verstärken sich dann. Doch an diesen Widerständen scheitert auch die Selbstorganisation Benachteiligter aufgrund der kumulierenden Wirkung sozialer, materieller und kultureller Kapitalschwäche und des schwierigen Konfliktfeldes in dem sie sich im Gegenwind behaupten muss.

Es gilt zu bedenken, dass soziale und ökonomische Selbstorganisation Benachteiligter eine der Konsequenzen des Endes der arbeitsteiligen sozialen Marktwirtschaft darstellt. Sie stellt einen sehr weitgehenden Bruch mit der Organisation zentraler gesellschaftlicher Bereiche dar und ist auch deshalb höchst konfliktiv. Selbstorganisation ersetzt nicht die sozialstaatliche Absicherung von Lebensrisiken, doch ist ihre aktive Förderung eine vorrangige gesellschaftliche Entwicklungsaufgabe um soziale Integration und eigenständige Existenzsicherung von Menschen und die Zukunftsfähigkeit der Gemeinwesen zu sichern.  

 

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Prof. Dr. Susanne Elsen

 

Szenarienarbeit Soziale Arbeit und Lokale Ökonomie

 

 

Kontext GWA: Community Organizing (tragfähige Problemlösung in einem belasteten Quartier)

 

Sie sind Mitarbeiter/in eines Gemeinschaftszentrums in einem städtischen Quartier mit ca. 12.000 EW, welches seit  mehreren Jahren  als „Problemgebiet“ bezeichnet wird.

 

Die einheimische Bevölkerung hat, sofern sie sich dies leisten konnte, dieses ehemals bürgerliche Wohngebiet verlassen. Geblieben sind die Alten und die Armen, die sich einen Wegzug nicht leisten können oder nicht mehr „verpflanzt“ werden wollen.

Jede 5. BewohnerIn lebt von Sozialhilfe, Arbeitslosengeld oder Sozialrente. Viele der berufstätigen Menschen haben mehrere, meist prekäre Einkommensquellen und lassen sich als Working-Poor bezeichnen. Trotz der dichten Bebauung und eines wenig kindgerechten Wohnumfeldes, gibt es viele Kinder und Jugendliche. Seit mehreren Jahren zieht es aufgrund der vergleichsweise günstigen Mieten Studierende, kinderreiche MigratInnenfamilien, alleinerziehende Frauen und unkonventionelle Singles oder Wohngemeinschaften in das Quartier.

 

Die Wohngebäude sind aufgrund langjähriger Desinvestition und starker MieterInnenfluktuation in einem maroden Zustand. Insbesondere die Eingangsbereiche, Innenhöfe und Treppenhäuser sind unsauber, vergammelt und düster. Am Abend meiden insbesondere ältere Leute diese halböffentlichen Räume obwohl es noch zu keinen Vorkommnissen gekommen ist.

Treppenhäuser und Eingangsbereiche sind tagsüber, insbesondere bei Regen, Spielplätze der Kinder und abends Treffpunkte der Jugendlichen, was mitunter zu Auseinandersetzungen mit älteren BewohnerInnen führt.

 

Das „seriöse“ einheimische Gewerbe hat sich nach und nach verabschiedet.  Viele Läden stehen leer und finden keine Nachfrager.

Das Quartier hat seit ca. sieben Jahren Gaststätten, die das Nachtleben der ansonsten eher nachtschlafenden Stadt bereichern. Der noch verbleibenen traditionelle Einzelhandel  äußerte sich vor ca. vier Jahren, daß die eher lichtscheuen Geschäftsaktivitäten, die sich im Quartier ausbereiteten, für sie geschäftsschädigend seien. Andererseits haben MigrantInnen Handel und Märkte in den aufgegebenen Ladenlokalen eröffnet.  In einer der Straßen  haben junge Leute aus dem Quartier, die seit vielen Jahren Flohmärkte betreiben, drei spezialisierte Second-Hand-Läden mit Tonträgern, Elektrogeräten und Holzmöbeln eröffnet. Zwei Second-Hands mit „schriller“ Kleidung sollen demnächst folgen Diese Läden haben sich bei konsumschwachen und auch konsumkritischen Gruppen zum Renner entwickelt.


Sieht man von den Lärmbelästigungen durch das Nachtleben ab, so hat das Quartier durch seine Lebendigkeit und Multikulturalität durchaus seinen Charme. 

 

Eine Befragung durch GemeinwesenarbeiterInnen des Quartierszentrums konnte ermitteln, daß die meisten BewohnerInnen trotz der vielen Widrigkeiten, das Leben im Quartier aus unterschiedlichen Gründen schätzen.  Genannt wurde das relativ tolerante Miteinander, ein überwiegend guter Nachbarschaftsgeist und die bezahlbaren Mieten. Beklagt wurde insbesondere der vernachlässigte  Zustand der Häuser und ihres Umfeldes, und der schlechte Ruf, der so wirklich nicht stimme. Einige ältere Menschen äußerten sich, daß sich ja alles so schnell verändere und sie gar niemanden mehr kennen. Dass es so viele Kinder gäbe, sei zwar manchmal sehr störend, aber gerade die „Ausländerkinder“ seien ja eigentlich auch immer so nett. Immer wieder wiesen insbesondere Alleinerziehende und Familien darauf hin, daß sie wegen ihrer Kinder was Neues suchen müßten, obwohl es eigentlich nicht so schlecht wäre, hier zu leben und die Kinder gar nicht wegwollen.

 

Die Vertreter der großen Wohnungsgenossenschaften, die mehr als 50% des Häuserbestandes besitzen, wurden von einzelnen MieterInnen, die seit langem im Quartier wohnen,  bereits darauf angesprochen, das es „so nicht weitergehe“. Dort macht man sich Sorge um die rasant fortschreitende soziale Entmischung und den Zuzug von „Problemgruppen“ des Wohnungsmarktes.

 

Das Stadtplanungsamt, das Sozialreferat und Vertreter der örtlichen Wohnungswirtschaft treffen sich seit ca. zwei Jahren um sich auszutauschen über ihre Einschätzungen der städtischen Entwicklungen insbesondere in den „Problemquartieren“.

Das Sozialreferat wurde nun beauftragt, innerhalb eines Zeitraums von 2 Jahren  (mit der Möglichkeit einer Verlängerung von einem Jahr) Prozesse der sozialen Entwicklung und Problemlösung im betreffenden Quartier einzuleiten.

Ziel ist es insbesondere, Ansätze der sozialen und ökonomischen Selbsthilfe zu stärken und dazu beizutragen, die hohen Sozialhilfekosten zu vermindern.

 

·    Welche Potenziale sozialer und ökonomischer Selbsthilfe sind in diesem Wohngebiet vorhanden?

·    Sind Bedarfe ungedeckt, die sich basisökonomisch organisieren lassen?

·    Welche Handlungsfelder bieten sich für die Entwicklung selbstorganisierter sozialer und ökonomischer Selbsthilfe an?

·    Welche Synergien sind vorstellbar ?

·    Wie würden Sie vorgehen?

·    Womit fangen Sie an?

·    Wen beziehen Sie ein?

·    Was brauchen Sie?

·    Welchen Zeithorizont sehen Sie

 

·      Was können Sie nicht leisten?

·      Was wäre erforderlich, um eine nachhaltige Lösung in Gang zu setzen?

 


Kontext GWA: Community-Development (Aufbau von Basisstrukturen)

 

Am Rande einer Großstadt hat die stadtnahe Wohnungsbaugesellschaft eine neue Mietwohnanlage für insgesamt 2650 Personen errichtet. Sie soll insbesondere für jüngere einkommensschwächere Familien und Familien mit mittleren Einkommen bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung stellen.

Das Angebot traf erwartungsgemäß auf große Resonanz bei Familien mit zwei und mehr Kindern, die im Allgemeinen Schwierigkeiten haben, bezahlbare Wohnungen mit ausreichendem Freiraum für ihre Kinder zu finden.

Nachdem alle Wohnungen im Dezember fertig gestellt und bezogen worden sind, besteht das gesamte Umfeld noch aus Brache und Baustelle. Nach Angaben der Wohnungsbaugesellschaft soll die Umfeldgestaltung im Frühjahr in Angriff genommen werden.

 

Das neue Wohngebiet hat bisher keine Infrastruktur und ist auch über den öffentlichen Personen-Nahverkehr noch nicht ausreichend angebunden. Schulen, Kindergarten und Einkaufsmöglichkeiten befinden sich im benachbarten Stadtteil, der zu Fuß in 15  Minuten erreicht werden kann.

 

Dem Sozialreferat ist zu Ohren gekommen, daß es in dem neuen Wohngebiet rumort. Insbesondere die Eltern von Kleinkindern scheinen unzufrieden zu sein und haben bereits erste erboste Briefe an die Stadt und die Wohnungsgesellschaft geschrieben. 

Das Sozialreferat sieht Handlungsbedarf und schreibt intern befristet auf ein Jahr eine Stelle mit der Aufgabe des Aufbaus von Basisstrukturen in dem neuen Wohngebiet aus.

 

Glückwunsch: Sie haben sich beworben und die Stelle bekommen.

 

·    Welche Potenziale sozialer und ökonomischer Selbsthilfe sind höchstwahrscheinlich in diesem Wohngebiet vorhanden?

·    Sind Bedarfe ungedekt, die sich basisökonomisch organisieren lassen?

·    Welche Handlungsfelder bieten sich für die Entwicklung selbstorganisierter sozialer und ökonomischer Selbsthilfe an?

·    Wie würden Sie vorgehen?

·    Womit fangen Sie an?

·    Wen beziehen Sie ein?

·    Was brauchen Sie?

 

 

Impressum:

Prof. Dr. Susanne Elsen, Fachhochschule München, Leitung des Masterstudiengangs „Gemeinwesenentwicklung, Quartiersmanagement und Lokale Ökonomie“, e-mail: susanne.elsen@t-online.de

 

 

 



[1]Vergl.u.a: Duchrow, Ulrich/Hinkelammert, Franz Josef: Leben ist mehr als Kapital. Oberursel 2002;

Ulrich, Peter/Maak, Thomas (Hrsg.): Die Wirtschaft in der Gesellschaft. Bern/Stuttgart/Wien 2000; Mander, Jerry/Goldsmith, Edward (Hrsg.): Schwarzbuch Globalisierung. München 2002

[2] Z.B. die Emmaus-Bewegung in der Arbeit mit Obdachlosen

[3] die für das Leben und Zusammenleben im Gemeinwesen erforderlichen Grundlagen, die dem Gemeinwohl dienen

[4] Campfens, Hubert: Community Development around the World. Toronto/Buffalo/London 1999

[5] Oelschlägel, Dieter: Stadtentwicklung und Gemeinwesenarbeit. In: Institut für soziale Arbeit e.V. (Hg.): Im Dickicht der Städte – Soziale Arbeit und Stadtentwicklung. Münster 2001 S. 23

[6] vergl.: Beiträge in: Flieger, Burghard: Sozialgenossenschaften. Neu-Ulm 2003 und Brandeins, 5. Jahrgang, Heft 7/September 03, S. 66

[7] Z.B. Soziale Stadt

[8] Elsen, Susanne: Lässt sich Gemeinwesenökonomie durch Genossenschaften aktivieren? In: Flieger, Burghard (Hrsg.): Sozialgenossenschaften. Neu-Ulm 2003. S. 57 f.

[9] Vergl.: Wacquant, Loic: Vom wohltätigen Staat zum strafenden Staat. In: Leviathan, 25. Jhrg.1997, S. 50 ff; Elsen, Susanne: Über den Zusammenhang globaler und lokaler Entwicklunge. In: Elsen, Susanne/Lange, Dietrich/Wallimann, Isidor (Hrsg.): Soziale Arbeit und Ökonomie. Neuwied 2000, S. 197 f.; Bröckling, Ulrich/Krasmann, Susanne/Lemke, Thomas: Gouvernementalität der Gegenwart. Frankfurt am Main 2000; Dahme, H.-J./Otto, H.U/Trube, A./Wohlfahrt, N. (Hrsg.): Soziale Arbeit für den aktivierenden Staat. Opladen 2003

[10] Elsen,Susanne: Über den Zusammenhang globaler und lokaler Entwicklungen, in: Elsen, Susanne/Lange, Dietrich/Wallimann, Isidor: Soziale Arbeit und Ökonomie, Neuwied 2000

[11] Ulrich, Peter/Maak, Thomas: Lebensdienliches Wirtschaften, in: Dieselben (Hrsg.) Die Wirtschaft in der Gesellschaft, Bern/Stuttgart/Wien 2000

[12]Elsen, Susanne/Lange, Dietrich/Wallimann, Isidor (Hrsg.): Soziale Arbeit und Ökonomie, Neuwied 2000

[13] Beispiele für solche Schritte habe ich dargestellt: Elsen, Susanne: Lässt sich Gemeinwesenökonomie durch Genossenschaften aktivieren? In: Flieger, Burghard (Hrsg.): Sozialgenossenschaften. Neu-Ulm 2003 S. 57 f. 

[14] Ulrich, Peter: Der entzauberte Markt. Freiburg/Basel/Wien 2002 S. 102

[15] Pankoke, Eckart: Freie Assoziationen. In: Zimmer, Annette/Nährlich, Stefan (Hrsg.): Engagierte Bürgerschaft. Opladen 2000 S. 189

[16] Vergl.: Elsen, Susanne u.a.: Die Genossenschaft am Beutelweg. In: Elsen, Susanne/Ries, Heinz u.a. (Hrsg.): Sozialen Wandel gestalten. Neuwied 2000 S. 269

[17] Addams, Jane: Zwanzig Jahre soziale Frauenarbeit in Chicago, München 1913

[18] die Autorin ist Mitbegründerin und langjährig bürgerschaftlich im Unternehmensverbund engagiert

[19] Vergl.; Elsen, Susanne: Gemeinwesenökonomie, Neuwied 1998

[20] Z.B. die derzeitigen Versuche, Opfer von Arbeitslosigkeit und Sozialhilfeberechtigte als Schmarotzer  darzustellen um damit weitere Deregulierungen die Einführung eines Niedriglohnbereiches und den weiteren Abbau von Sozialleistungen zu erwirken

[21] verg.: Rose, Nikolas: Tod des Sozialen? In: Bröckling, Ulrich u.a. (Hrsg.): Gouvernementalität der Gegenwart, Frankfurt am Main 2000

[22] Soros, George: Die Krise des globalen Kapitalismus. Frankfurt am Main 2000, S. 256

[23] ebenda

[24] Im romanischen Raum spricht man deshalb von Économie Solidaire. Frankreich hat seit 1999 ein Staatssekretariat für diesen Sektor, dessen Eigenlogik in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen und außereuropäischen Ländern wenig bekannt und vielfach mißverstanden ist.

[25] Zur Bedeutung und Wirkung des Steuerungsmodus Solidarität, vergl.: Habermas, Jürgen: Die neue Unübersichtlichkeit. Frankfurt am Main 1985 S. 158

[26] “The Contribution of Social Capital in the Social Economy to Local Economiy Development in Western Europe/CONSCISE“ www.conscise.mdx.ac.uk

[27] Negt, Oskar: Arbeit und Menschliche Würde, Göttingen 2001, S. 319

[28] Zu den Themen: Eigenarbeit und Entgrenzung der Arbeit: vergl.: Zahlreiche Publikationen von Mutz, Gerd 

[29] Negt, Oskar: a.a.O.: S. 405

[30] vergl.: Ziegler, Jean: Die neuen Herrscher der Welt. München 2003, S. 221 ff.

[31] Lietaer, Bernard A.:Das Geld der Zukunft. München 2002, S. 324 f.

[32] Süddeutsche Zeitung vom 7.1. 2003

[33] Göler von Ravensburg, Nicole: Genossenschaften in der Erbringung Sozialer Dienste. In: Flieger, Burghard (Hrsg.): Sozialgenossenschaften. Neu-Ulm 2003 S. 82

[34] Seit mehreren Jahren bearbeite ich mit Studierenden Lösungen insbesondere in Argentinien, Südindien und Südafrika, stehe in intensivem Praxisaustausch, der unseren Studierenden offen steht und lade jedes Semester Kolleginnen und Kollegen aus vielen Regionen der Welt zur Veranstaltungsreihe „Community-work around the World“ ein.

[35] Sen, Amartya: Ökonomie für den Menschen. München/Wien 2000 und Yunus, Muhammad: Grameen. Bergisch-Gladbach 1998

[36] Böhnisch, Lothar/Schröer, Wolfgang: Die soziale Bürgergesellschaft. Weinheim und München 2002

[37] Haug, Wolfgang Fritz: Eigentum. In: Historisch-Kritisches Wörterbuch Berlin; Hamburg 1998

[38] verg.: Negt, Oskar: a.a.O. S. 388

[39] Ries, Heinz: a.a.O. S. 49

[40] Ries, Heinz: Wohnen, Arbeiten, Teilhaben als Basis einer lokalen Ökonomie. In: Sahle, Rita/Scurrell, Babette (Hrsg.): Lokale Ökonomie. Freiburg 2001 S. 48

[41] Bis zu seinem Ende im Jahr 2002 hat der „zweite Arbeitsmarkt“ in Deutschland diese Chance nicht genutzt (nicht nutzen dürfen!)

[42] verg.: Elsen, Susanne Gemeinwesenökonomie. Neuwied 1997 S. 248 f.

[43]Beywl, Wolfgang/Flieger, Burghard: Genossenschaften als moderne Arbeitsorganisation, Fernuniversität Hagen 1993

[44] Fritz, Thomas/Scherrer, Christoph: GATS: Zu wessen Diensten? Hamburg 2002

[45] Göler von Ravensburg, Nicole: Genossenschaften in der Erbringung Sozialer Dienste. In: Flieger, Burghard (Hrsg.): Sozialgenossenschaften. Neu-Ulm 2003

[46] Brand eins 5. Jahrgang Heft 07 September 2003 S. 66f

[47] Elsen, Susanne: Lässt sich Gemeinwesenökonomie durch Genossenschaften aktivieren? In: Flieger, Burghard (Hrsg.): Sozialgenossenschaften. Neu-Ulm 2003 S. 57 f. 

[48] z.B. Campfens, Hubert: Community Development Around the World. Toronto, Buffalo, London 1999

[49] Food Whyte, William/King Whyte, Kathleen: Makin Mondragon: The Growth and Dynamics of the Worker Cooperative Complex. New York 1988

[50] Vergl.: Kretzmann, John/McKnight, John: Building Communities from the inside out. Chicago 1993

[51] Rubin, Herbert: There Aren´t going to be any bakeries here..In: Social Problems. Vol 41, No 3 August 1994 S. 401f.

[52] Elsen, Susanne/Löns, Nikola/Ries, Heinz A./ Steinmetz, Bernd: Aus der Not geboren. In: Elsen, Susanne u.a. (Hrsg.): Sozialen Wandel gestalten. Neuwied  2000 S. 261 f. 

[53] Elsen, Susanne: Läßt sich Gemeinwesenökonomie durch Genossenschaften aktivieren? In: Flieger, Burghard: Sozialgenossenschaften. Neu-Ulm 2003 S. 57 f.

[54] Herriger, Norbert: a.a.O. S. 137

[55] Karsch, Thomas: Kollektives Handeln der Armen als Voraussetzung für Entwicklung. Frankfurt am Main 1997

[56]Boll, Joachim/Huß, Reinhard/Kiehle, Wolfgang: Mieter bestimmen mit, Darmstadt 1993

[57] Klages, Helmut: Der Blockierte Mensch. Frankfurt/New York 2002

[58] Verg.: Klages, Helmut: Der blockierte Mensch. Frankfurt/New York 2002

[59] vergl.: Herriger, Norbert: a.a.O.

[60] Klöck, Tilo (Hrsg.): Solidarische Ökonomie und Empowerment. Neu Ulm 1998

[61] Alinsky wurde 1909 in einem üblen Slum von Chicago geboren. Seine Praxis der politischen Organisation der Artikulationsschwachen ist heute von höchster Aktualität. vergl.: Alinsky, Saul: Anleitung zum Mächtigsein. Bornheim 1983

[62] vergl: Elsen, Susanne: Gemeinwesenökonomie. Neuwied 1998 und Sozialen Wandel gestalten. Neuwied 2000

 

 

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