Jürgen Schampel / 2002-2006

Globaler Stabilitätspakt

Hinweise und Vorschläge für einen neuen Grundkonsens

 

Eine nachhaltige Weltwirtschaft ist nur denkbar, wenn die zum Erhalt des Lebens erforderlichen Umweltbedingungen gesichert, knappe Ressourcen geschont und zunehmend auf nachwachsende Ressourcen umgestellt wird. Dies ist nur mit mehr Wissenschaft und Technik möglich. Nur so sind bessere Effizienz, neue Materialien (nachwachsende Rohstoffe) und neue Energieformen erreichbar. Aber es geht auch darum, die Verbrauchs- und Verhaltensgewohnheiten zu ändern. Wissenschaft und Technik sind keine Alles-Könner.

Diese Aufgabe ist per se global. Sonst kommt die Nachhaltigkeit nicht zustande. Begrenzte Rohstoffvorkommen und Klima-Veränderungen betreffen alle Nationen.

Globale Umweltverträglichkeit ist jedoch ohne globale Sozialverträglichkeit nicht durchsetzbar:

Alle Bevölkerungen dieser Erde wollen wenigstens ein Mindestmaß an Wohlstand und Entwicklung erreichen. Vor allem die ärmsten. Ohne angemessene Beteiligung aller nicht nur an den Beiträgen zu einer ökoverträglichen Weltwirtschaft, sondern auch am möglichen wirtschaftlichen Wohlstand, bleiben ökologische Nachhaltigkeitsprogramme ohne weltweite Akzeptanz und erscheinen als neue Form der Dominanz der hochentwickelten Länder.

Der Sozialverträglichkeitsaspekt hat daher auch für Umweltstrategen eine immer größere Bedeutung gewonnen. Einige erhoffen sich deswegen, dass mehr Öko-Effizienz zu mehr Arbeit führt. Es wird dabei jedoch sehr häufig übersehen, daß eine öko-effizientere, technik- und energiebasierte Weltwirtschaft auch eine höhere Arbeitsproduktivität beinhaltet - und damit einen weiteren weltweiten Anstieg der Arbeitslosigkeit zur Folge hat. Denn die neue Arbeit, die durch Umweltorientierung entsteht, ersetzt alte Produkte und Verfahren und damit die zu ihrer Herstellung erforderliche Arbeit. Die ökologische Effizienzstrategie ist daher kein geeigneter Weg, um die Arbeitslosigkeit nachhaltig abzubauen; bestenfalls wäre sie ein beschäftigungspolitisches Nullsummenspiel.

Das Ziel einer sozialverträglichen Weltwirtschaft läßt sich deswegen nur erreichen, wenn auch sichergestellt wird, daß die gesellschaftliche Durchschnittsarbeit ohne Standortnachteile im globaler Wettbewerb entsprechend der erreichten Produktivitätfortschritte gesenkt werden kann. Gleichzeitig muß dabei für eine Einkommensverteilung gesorgt werden, bei der sich Arbeit für alle lohnt und eine sichere Existenzgrundlage garantiert ist.

Da es nicht "unendlich viel" zu verteilen gibt, sollte die Einkommensverteilung nicht nur soziale Mindeststandards (z.B. in Form von Sozialtransfers und/oder Mindestlöhnen), sondern ggf. auch eine Maximalgrenze für persönliche Einkommen (Daly) und Vermögen umfassen (z.B. durch Erbschaftsbegrenzung oder Wandlung in Stiftungskapital für gemeinnützige Zwecke). Die Maximalgrenze müßte allerdings so hoch angesetzt werden, dass sich der Einkommens- und Vermögenszufluß bei Höchstleistungen weiterhin in deutlichem Abstand zum Durchschnittseinkommen befindet.

Es geht dabei nicht um Gleichmacherei und Abschaffung von Reichtum, sondern um ein sinnvolles Maßhalten bzw. eine Einbettung des persönlichen Einkommens in ein ökosozial verträgliches Ausmaß (Daly). Wie Aubauer aufgezeigt hat, handelt es sich dabei nicht um eine Abschaffung des Privateigentums, sondern um eine ökosoziale Erweiterung des Eigentumbegriffs. Auch nicht um eine Abschaffung des Kapitalismus, sondern um seine globalsolidarische Zügelung, durch die ein "reibungsloser Kapitalismus" (Gates) mit optimaler Allokation überhaupt erst globalisierbar würde.

 

Umwelt/ Ressourcen

Umwelt und Ressourcen müssen geschont werden. Sonst untergräbt die Weltwirtschaft die Lebensgrundlagen.

Das geht nicht mit weniger Wissenschaft und Technologie, sondern nur mit Hilfe weiterer Forschung und technologischer Neuerungen..

 

Sozialverträglichkeit

Umwelt- und Ressourcen-Schonung sind nur dann weltweit erreichbar, wenn zugleich eine ausgleichende Sozialverträglichkeit praktiziert wird. Dies beinhaltet u.a. eine ausgeglichene Ressourcen-Verteilung

Sonst wird der Kampf der Kulturen weiter entfacht, anstatt einen nachhaltigen Dialog zu sichern.

Das 21. Jahrhundert muß nicht nur Wissenschaft und Technik, sondern auch Aufklärung und Humanismus globalisieren.

 

Arbeitszeitreduzierung

Technologie-Fortschritte führen nicht nur zu höherer Umweltverträglichkeit und Ressourcen-Effizienz, sondern reduzieren auch den Bedarf an menschlicher Arbeitskraft (vor allem, aber nicht nur bei Routinetätigkeiten).

Sozialverträglichkeit ist nur möglich, wenn eine weltweite Arbeitzeitreduzierung in Verbindung mit der Sicherung und Förderung eines lebenslangen Lernens programmatisch angestrebt wird.

 

Einkommen

Die Einkommensverteilung muß so ausgestaltet werden, daß einerseits höhere Leistung lohnenswert bleibt, andererseits hohe Arbeitslosigkeit, Armut und Deklassierung vermieden und soweit vorhanden zurückgeführt wird.

Hierzu wird es - langfristig - nicht nur erforderlich sein, ein Minimaleinkommen zu defineren, sondern auch ein Topeinkommen. Nur so lassen sich Produktivitätsfortschritte bei knapperen irreversiblen Ressourcen volks-und weltwirtschaft realistisch (konform mit den Regeln der Mathematik) sozialgerecht verteilen.

Die globalen Markt-Spielregeln müssen so ausgelegt werden, daß alle vier Aspekte ausreichend zur Geltung kommen. Dies kann aber nur funktionieren, wenn

a) der globale Finanzmarkt in realwirtschaftliche und ökosoziale Erfordernisse zurückgebunden und entsprechend global reguliert wird,

b) eine Lösung dafür gefunden wird, wie die Verteilung knapper werdender irreversibler Ressourcen vernünftig geregelt werden kann,

c) die Intaktheit der Binnenmärkte sowohl im Welthandel als auch in der Entwicklungshilfe zur wichtigsten Zielsetzung wird.

Da die erforderlichen Veränderungen bezüglich des Finanzmarktes und der Ressourcenverteilung in www.weltdialog.de bereits durch andere Infothek-Beiträge dargestellt sind, beschränke ich mich hier auf eine Erläuterung der Bedeutung der Binnenmarkt-Orientierung:

Der Sinn einer neuen Weltwirtschaftsordnung kann nur darin bestehen, global nachhaltige Stabilität zu ermöglichen und sicherzustellen. Nachhaltige Stabilität ist aber nur erreichbar, wenn die Binnenmarktsentwicklung aller Volkswirtschaften zum Primat der Wirtschaftspolitik wird, anstatt dass diese weiterhin durch ein zügelloses weltweites Exportfieber ausgehöhlt werden, was in letzter Konsequenz zu einem verheerenden Zusammenbruch der Weltwirtschaft führen wird:

Maximaler Freihandel ja - aber nur in dem Ausmass, wie er den Binnenmärkten bzw. Volkswirtschaften nachvollziehbar gegenseitig nachhaltigen Vorteile bringt. Wo Import-Export-Konstellationen mehr Schaden als Nutzen erzeugen, muss Wirtschaftspolitik dieses Marktversagen regulierend ausgleichen.

Wenn Wirtschaftspolitik es versäumt, mögliche Schädigungen durch ungünstige Marktentwicklungen vorauszusehen oder auf bereits eingetretene Schädigungen nicht reagiert, überläßt sie das Wohl der Gesellschaft dem Zufall und nimmt damit die Zerrüttung der eigenen Volkswirtschaft in Kauf. Das ist, als wenn man bei der Fußballweltmeisterschaft alles sich selbst überlassen und die Schiedsrichter nur noch Tore zählen würden: Fouls und Schlägereien interessieren nicht mehr, Hauptsache die Spieler versuchen Tore zu schiessen.

Genau das passiert im Marktradikalismus: Es interessiert die Wirtschaftspolitik nicht mehr, ob der Wettbewerb fair oder unfair ist. Es ist kein Geheimnis, dass Billigst-Produkte aus China oder Brasilien nur deshalb so billig sind, weil nur ein Bruchteil der bei uns üblichen Löhne gezahlt wird und der Umweltschutz die Unternehmen gar nichts kostet (da nicht vorhanden). Statt eine Ausgleichsabgabe für diese Wettbewerbsverzerrung zu verlangen, senkt Europa die Importsteuer für solche Produkte und belohnt damit diejenigen, die aufgrund von Fouls immer größere Marktanteile gewinnen. Folgewirkung 1: Immer mehr Unternehmen der eigenen Volkswirtschaft schrumpfen oder gehen Pleite und entsprechend erhöht sich die Arbeitslosigkeit. Folgewirkung 2: Das Herstellerland setzt den Schwerpunkt der Wirtschaftstätigkeit auf den Export und überläßt die Entwicklung des eigenen Binnenmarktes sich selbst; ein grosser Anteil der Bevölkerung wird dabei pauperisiert. Folgewirkung 3: Tendenziell alle Volkswirtschaften werden in eine Abwärtspirale getrieben und die Weltwirtschaft wird immer instabiler.

Eine Restabilisierung ist nur möglich, wenn die Binnenmärkte wieder als Zentren nachhaltigen Wirtschaftens betrachtet werden.

Auch ein globaler Marshall Plans kann nur erfolgsversprechend sein, wenn er sich am Primat der Binnermärkte ausrichtet und diesen zur Bedingung von Co-Finanzierung macht. Der Entwicklung der regionalen Landwirtschaft fällt dabei als "Überlebenswirtschaft" eine fundamentale Rolle zu. Deshalb muß Co-Finanzierung zu 60% bis 80 Prozent für eine forcierte Sanierung und Entwicklung der Land-, Forst- und Wasserwirschaft verwendet werden.

Mindestens genauso wichtig wie landwirtschaftlich geeignete Konzepte ist in schwach und unterentwickelten Ländern allerdings auch ein Empowerment, das auf eine Veränderung der Mentalität zielt. Warum zeigen zwei Beispiele:

Im wasserarmen Jemen wird ein Großteil der fruchtbaren Bodenfläche für den Anbau der Kaudroge Quad verschwendet. Ohne mentale Veränderung dieser Untergangskultur wäre Landwirtschaftssanierung von vornherein zum Scheitern verurteilt.

In Namibia wurden weisse Landwirte enteignet, um der Bevölkerung eine selbstbestimmte Eigenversorgung zu ermöglichen. Die Enteignung erschöpfte sich im Ausleben von Warlord-Mentalität: Bereits nach einem Jahr waren die blühenden Anbauflächen verrottet.

Die Beispiele machen deutlich, dass die Gründe für Unterversorgung und regionale Konflikte in bestimmten Fällen weitaus mehr durch Kultur bzw. Stammesmentalitäten bedingt sind, als man sich im reichen Norden vorstellt.

Wenn ein globaler Marshall Plan von den Regierungen Binnenmarkt-Entwicklung verlangt, dann muss er auch ein ausreichendes Empowerment einfordern und die hierzu erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten vermitteln. Sollte sich das Empowerment als undurchführbar erweisen, weil ein Clan lieber verhungert oder verdurst, als sein tradiertes Verhalten zu ändern, wird man sich damit ratlos abfinden müssen.

Ein weiterer Erfolgsfaktor ist eine zumindest halbwegs ölunabhängige Selbstversorgung. Ideen dafür gibt es bereits. So setzt Bergmann sich seit Jahren für die Erfindung eines Ingenieurs ein, die aus Luftfeuchtigkeit Wasser gewinnt. Es gibt aber keine Investoren, die sich für die Weiterentwicklung dieser Wassergewinnungsanlage bis zur Produktreife interessieren. Co-Finanzierung muß deshalb Fonds für Innovationsprojekte einschliessen, in denen in Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft neue ölunabhängige Techniken, Verfahren und Kreisläufe für die Landwirtschaft erforscht und entwickelt werden.

Man sollte sich aber keinen Illusionen hingeben. Die Technik allein ist nicht die Lösung, selbst wenn es gelingen würde, mit Erdwärme und Sonnenergie eine Vollelektrifizierung der Produktion, des Verkehrs und der Wäremeversorgung auf die Beine zu stellen. Neben Öl und Gas verknappen sich ja auch andere irreversible Rohstoffe mit zunehmendem Verbrauch.

Die Landwirtschaft als neu entdeckte Quelle für regenierbare Ersatzstoffe ist in ihrer Leistungsfähigkeit begrenzt, zumal sie in erster Linie die Ernährung gewährleisten muß - und absolut von günstigen Klimabedingungen abhängig ist.

Was folgt daraus? Anwort 1: Die Transformation von menschlicher Arbeit in maschinelle findet ihre natürliche Grenze. Antwort 2: Es ist für die Zukunft maximal eine ökoziale Kreislaufwirtschaft als gutes Szenario denkbar, sofern das Bevölkerungswachstum gestoppt wird.

Dies hat zur Konsequenz:

Der Bedarf an menschlicher Arbeit - auch niedrig qualifizierter - wird wieder steigen.

Weder wirtschaftliches Wachstum noch Bevölkerungswachstum sind sinnvolle oder gute Ziele. Denn die real verbleibenden Möglichkeiten finden ihre Grenze in der vom Klima abhängigen Landwirtschaft und in den verbleibenden Restvorräten an irreversiblen Rohstoffen. Wenn Politiker zwecks Sanierung des Rentensystem und zur Förderung des Wachstums eine Geburtenerhöhung fördern wollen, laufen sie in eine Sackgasse.

Um Marktversagen überhaupt noch regulieren und ausgleichen zu können, wird eine an den Grenzen des Wachtums ausgerichtete Steuerreform unverzichtbar; sie wird zur absoluten Voraussetzung von Balance. Die Besteuerung von Arbeit und Unternehmensgewinn ergibt keinen nachhaltigen Sinn mehr. Viel wichtiger wird die Besteuerung persönlich und institutionell tatsächlich beanspruchter Entnahmen aus dem Naturkapital. Denn diese sind die eigentlichen Verursacher der Verschwendung begrenzter und damit bei Verbrauch knapper werdender Naturkapitalien.

Nationale Alleingänge sind hierzu nur dann geeignet, sofern die Besteuerung sich auf eigene Vorkommen an irreversiblen Ressourcen bezieht und die steuerliche Mehrbelastung der eigenen Volkswirtschaft durch Kompensationsabgaben für ökozozial gedumpte Produkte ausgeglichen wird. Sonst würde nur der eigene "Standortfaktor" im internationalen Wettbewerb verschlechtert.

Die ökologischen Ziele einer Transformation der Steuersysteme in Richtung Ressourcenbesteuerung können sich aber nur erfüllen, nachdem irreversible Naturkapitalien von der UNO als Welterbe deklariert worden sein werden.

Dies setzt ein erweitertes Eigentumverständnis voraus, aus dem heraus die Sicherung und Verwaltung der globalen Bedingungen und Möglichkeiten des Überlebens einem Global Government übergeben wird. Konkret: Eine durchgängige Besteuerung des Ressourcenverbrauchs setzt eine internationale Agentur voraus, die den Handel mit Ressourcenverbrauchs-Zertifikaten ermöglicht und reguliert. Eine Weltbank der Ressourcen-Währung.

Es bedarf keiner Erläuterung, dass dies angesichts der aktuellen weltpolitischen Verhältnisse bis auf weiteres eine Utopie bleiben muß. Eine Utopie zumal, die derzeit noch in zu wenigen wenigen Köpfen präsent ist. Schon mangels Wissen ist kein Konsens dafür zu erwarten.

Auf Ebene des Global Government scheint es mir deshalb vorrangig zu sein, folgenden Dialog in Gang zu setzen. Es müßte m.E. einmal grundsätzlich und unter den Augen der Öffentlichkeit abgeklärt werden, was die Mehrheit der Staaten tatsächlich will:

eine stabile und nachhaltige

oder

eine chaotische, sich selbst immer mehr gefährdende Weltwirtschaft?

Erst dann haben wir eine Orientierung, wie es um die Chancen der Implementierung globaler Ziele und Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Weltwirtschaft politisch bestellt ist.

Es wäre blauäugig, einen bereits vorhandenen Grundkonsens in dieser Richtung zu unterstellen und als gesichert zu empfinden, weil man sich im eigenen Denken auf bestehende Uno-Vereinbarungen und -Erklärungen zurückbezieht:

Erstens wurden diese nicht auf breiter Front internalisiert. Nicht einmal von Regierenden. Und die Mehrheit der Bürger kennt sie nicht einmal. Zweitens neigte der Mainstream bislang zum Marktradikalismus.

Falls sich die Mehrheit der Staaten für eine stabile Entwicklung entscheidet, muß dies in einem globalen Stabilitätspakt verbindlich vereinbart werden.

Ohne einen globalen Stabilitätspakt - als deklarierten neuen Grundkonsens - kann der marktradikalistische Mainstream nicht überwunden werden. Alle gut gemeinten Weltverbesserungsinitiativen blieben selbstberufen und damit im Abseits.

Für eine ökoziale Weltwirtschaft der Nachhaltigkeit muß die Weltgemeinschaft sich selbst berufen. Ausdrücklich und nachvollziehbar. In so einfachen und klaren Worten, dass Sinn und Zweck des Stabilitätspakts auch von Analphabeten und Menschen mit nur geringer Schulbildung verstanden werden kann: Denn es gibt Millionen davon. Es sind die Armen der Welt. Und gerade sie brauchen ein neues Hoffnungszeichen.

Da der Gegenstand dieses Weltdialogs komplex ist, die Staaten naturgemäß konträre Eigeninteressen haben und ihre Ansichten durch unterschiedliche Kulturen und Weltanschauungen geprägt sind, plädiere ich nachdrücklich dafür, ihn im Rahmen eines Consultativ-Verfahrens durchzuführen.

Nach Verabschiedung des globalen Stabilitätspaktes sind die WTO-Regeln so zu ändern, dass sie globale Rahmenbedingungen für eine lebensdienliche Weltwirtschaft der Nachhaltigkeit garantieren.

Es besteht Grund zu der Hoffnung, dass die Bereitschaft, sich einem globalen Stabilitätspakt zu öffen, wachsen wird. Das weltweit zunehmende Konfliktpotential und der weiter exponenziell ansteigende Ölpreis wird auch bei immer mehr Politikern und Wirtschaftsvertretern innere Zweifel an den Grundsätzen bisheriger Wirtschaftspolitik aufkommen lassen. Solche inneren Zweifel gibt es längst; sie werden aber verdrängt, weil man sie als Minuspunkte für Wahlkämpfe empfindet. Außerdem will man in Mainstream-Kreisen nicht als alternativer Sonderling erscheinen.

Die Realentwicklung dürfte diesen Verdrängungsprozeß höchstens noch ungefähr 8 Jahre zulassen: Dann nämlich wird offenbar geworden sein, dass alle großen Reformvorhaben (Beschäftigungspolitik, Renten- und Krankenversicherungsreform, wirtschaftspolitische "Wachstumsförderung") die Abwärtsspirale nicht zurückdrehen konnten.

Es wird zwar mit riesigem Kapitalaufwand möglich sein, zusätzliche Ölquellen zu erschliessen (z.B. kanadische Ölsände). Aber das verändert die Situation nicht grundsätzlich. Das Investitionsinteresse erschöpft sich darin, dass man diese zusätzlichen Quellen mit steigendem Ölpreis ebenfalls immer teurer verkaufen kann. Für die Investoren ist das eine selten sichere Möglichkeit zu schnellem Gewinn zu kommen. Aber den Öl importierenden Volkswirtschaften hilft es nicht; sie werden durch den steigenden Ölpreis erdrosselt werden. Und ohne zusätzlich belastende finanzielle Hilfsmassnahmen für arme Länder, die sich das Öl zur Aufrechterhaltung der Wasserversogrung und Landwirtschaft nicht mehr leisten können, ist eine Welternährungskrise dann nicht mehr aufzuhalten.

Aus Interessse an besseren Bedingungen für die eigenen Volkswirtschaften könnte die Mehrheit der Staaten ohne nennenswerte eigene Ölvorkommen geneigt sein, einem globalen Stabilitätspakt zuzustimmen. In den USA - größter Erdölverbraucher der Welt - ist das Interesse an alternativer Energie durch Ölpreisdruck deutlich gewachsen. China hat weiterhin einen wachsenden Energiebedarf.

Nur die in nennenswerter Menge Öl und Gas besitzenden Staaten könnten ein Interesse haben, sich gegen einen globalen Stabilitätspakt zu sperren. Diese Staaten sind in der Mehrheit undemokratisch (Emirate der Ölfürsten) oder nur halbwegs demokratisch (z.B. Russland). Da sie ihre Macht ohne ihre internationalen Öl-Kunden nicht erhalten können, werden sie letztlich gezwungen sein sich anzupassen. Sie können es sich nicht leisten, die übrige Welt durch Belieferungsunterbrechung zu erpressen. Ohne Öl-Dollars sind sie ausserstande die oppositionellen Kräfte in Schach zu halten.

Die Situation wird immer brisanter. Aber ohne extremen Problemdruck findet ein breites Umdenken eben auch nicht statt. Die drohenden Gefahren und die mit ihnen verbundenen Befürchtungen sollte man deshalb zugleich als erste echte Chance für einen weltwirtschaftspolitischen Paradigmenwechsel sehen und nutzen.

Eine neue Weltwirtschaftsordnung löst die Versorgungsprobleme noch nicht substanziell; sie bietet nur erforderlichen Rahmenbedingen dafür. Nur der weltweite Umstieg auf alternative Energien kann sie bewältigen.

Ein globaler Stabilitätspakt könnte aber zu entschlossener und tatkräftiger internationaler Kooperation motivieren: Durch massive Investition in die Entwicklung zukunftsicherer Energie-Gewinnung liesse sich der Umstieg auf nachhaltiges Wirtschaften erheblich beschleunigen. Falls sich die Ölstaaten an einer solchen Kooperation maßgeblich beteiligten, flösse ein Teil der Ölgewinne in die Zukunftssicherung der Weltwirtschaft.

Und ein globaler Marshall Plan könnte sogar die bislang vergeblich beschworene Aufbruchstimmung erzeugen.

Jugend ohne Hoffnung verhält sich auch so: sie neigt zur Gewalt und ist anfällig für fundamentalistische Weltanschauungen. Ein globaler Stabilitätspakt und Marshall Plan könnten ihr neue Hoffnung geben. Es gäbe endlich eine vielversprechende Alternative zum Marktfundamentalismus.

Die wirtschaftlichen Zielsetzungen für einen globalen Marshall Plan sollten aber noch einmal überprüft und kritisch diskutiert werden. Mehr

 

Entschliesst die Weltgemeinschaft sich nicht zu einem Stabilitätspakt, zerfällt sie. Die Staaten setzen dann auf Kulturkampf und Wirtschaftskrieg.

 

www.weltdialog.de